Der 12-Tage-Krieg gegen den Iran hat in Israel fast schon für Euphorie gesorgt, nachdem wir jahrzehntelang vor diesem großen Feind gezittert haben. Wir haben wieder einmal gesehen, wie unsere Armee und die Geheimdienste perfekte Arbeit geleistet und ein Land in die Knie gezwungen haben, das sich seit über 40 Jahren auf einen Krieg mit Israel vorbereitet.
Plötzlich war es vorbei: der 12-Tage-Krieg mit dem Iran. Kein Massenangriff auf Tel Aviv. Kein apokalyptisches Szenario. Stattdessen Jubel, Erleichterung – und viele dankbare Gebete.
Nach dem ersten Schlag gegen den Iran am 13. Juni 2025, wurde in einigen Synagogen ein besonderes Dankgebet und Segen gesprochen für die Errettung aus der Not. Aber was war Gottes Rolle in diesem Erfolg? Sicherlich wurde alles von Menschen geplant und ausgeführt, aber kann es Erfolg geben, wenn es nicht Gottes Wille ist?
David Ben-Gurion sagte, „Wer in Israel nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist“ und wir haben uns hier mittlerweile so sehr an die vielen Wunder gewöhnt, dass wir sie nicht mehr erkennen. Auch lieben wir religiöse Juden es, Gottes Hand in allen täglichen Ereignissen zu suchen. Es macht uns große Freude göttliche Muster zu erkennen und auszurufen, „Aha, hier ist der Finger Gottes!“ Das zeigt uns immer wieder, dass Gott nicht nur in der Bibel an der Seite seines Volkes stand, sondern es immer noch tut.

Gerade in Momenten nationaler Euphorie stellt sich für Juden eine alte Frage neu: Wo war Gott in diesem Sieg?
Wie so oft hat Rabbi Eliezer Melamed seinen Finger am Puls der Zeit und erklärt uns, wie wir militärische Erfolge einordnen können, ohne übermäßig „Religiös“ oder übermäßig „Menschengläubig“ zu sein:
Frage: „Unter einer Gruppe von Freunden kam eine Debatte auf. Einige behaupteten, dass der Erfolg der Angriffe auf den Iran ein Wunder sei, da ein so großer Erfolg auf natürliche Weise unmöglich sei. Andere wiederum behaupteten, dass der Erfolg durch natürliche Mittel zustande gekommen sei, dank kluger, fleißiger und idealistischer Menschen, die ihn geplant und ausgeführt hätten. Wer hat Recht?
Antwort: Vorweg muss gesagt werden, dass der Unterschied zwischen Natur und Wunder nur aus der Perspektive des Menschen besteht, dass ihm die Ordnungen der Natur als selbstverständlich erscheinen und durch ihre eigenen Kräfte aufrechterhalten werden, während Wunder für ihn unverständlich sind und ihn daher mehr beeindrucken. Aus der Perspektive des Schöpfers gibt es jedoch keinen Unterschied zwischen Natur und Wunder, da Gott allem Leben gibt, der Natur ebenso wie dem Wunder.
Daher kann das, was als Wunder bezeichnet wird, auch als Natur bezeichnet werden, und umgekehrt kann die Natur auch als Wunder betrachtet werden, da sie nur durch Gott existiert, wie wir im Gebet sagen: „Deine Wunder, die jeden Tag mit uns sind“ (Ramban, Exodus 13: 16).

Das heißt, die Diskussion, ob es sich um ein Wunder oder um Natur handelt, findet nur aus der Perspektive des Menschen statt, und aus der Perspektive des Menschen sind dies große Erfolge, die mit Gottes Hilfe durch die Natur erreicht wurden. Wir sprechen nicht von Wunder, da sie nicht von den Naturgesetzen abweichen, sondern wie alle Dinge in der Welt durch Gottes Güte existieren, umso mehr, wenn es sich um besondere Erfolge handelt, bei denen Gottes Hilfe offensichtlicher ist.
Frage: Selbst wenn jeder Erfolg auf natürliche Weise erklärt werden kann, ist es dann nicht richtig, den Gesamterfolg als ein wunderbares Wunder anzuerkennen? Und was ist daran schlimm, das Geschehene als Wunder zu bezeichnen? Ist das nicht Ausdruck eines größeren Glaubens?
Antwort: Erstens ist die falsche Definition selbst der Schaden. Gottes Siegel ist die Wahrheit und jede Abweichung von der Wahrheit führt uns davon weg, auf Gottes Wegen zu wandeln.
Zweitens könnte die Definition von etwas, das mit Weisheit, Fleiß und Mut getan wurde, als Wunder dazu führen, dass Menschen sich auf Wunder verlassen und dabei die Gebote der Thora, im Militär zu dienen, vernachlässigen und nachlässig werden in den Geboten von Yishuv Ha’Aretz (Besiedlung des Landes), zu denen auch die wissenschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung des Staates gehört.
Man muss präzise sein und sagen, dass wir all diese Erfolge mit Gottes Hilfe erreicht haben. Mit anderen Worten: Die militärischen Erfolge wurden von idealistischen, talentierten und mutigen Menschen erzielt, die jahrelang mit Fleiß und Einfallsreichtum Informationen gesammelt und erfolgreiche Pläne ausgearbeitet haben. Und dank heldenhafter Soldaten, die für die Missionen trainiert haben, ihr Leben riskiert haben und mit Luft- und Landstreitkräften in das Land des Feindes vorgedrungen sind und ihm einen schweren Schlag versetzt haben.

Ohne Gottes Hilfe würden jedoch selbst die Fleißigsten und Begabtesten keinen Erfolg haben, erst recht nicht, wenn es um solch außergewöhnliche Erfolge geht. Denn es heißt: „Wenn der Herr nicht das Haus baut, so arbeiten umsonst, die daran bauen; wenn der Herr nicht die Stadt bewacht, so wacht der Wächter umsonst“ (Psalm 127,1).
Das heißt, man muss fleißig sein, wenn man ein Haus baut und Wachen aufstellt, aber ohne Gottes Hilfe wird die Mühe keinen Erfolg haben – so wie die Iraner trotz all ihrer Bemühungen keinen Erfolg hatten, weil Gott den Erfolg der Bösen nicht will.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass uns die richtige Definition der Erfolge dazu anregt, Gott für seine Hilfe zu danken und weiterhin fleißig daran zu arbeiten, den Staat Israel in Wissenschaft, Wirtschaft und Sicherheit weiterzuentwickeln.

