Auf Netflix läuft gerade der Zeichentrickfilm „David“ über die Anfänge der Karriere Davids als König Israels. Ich habe ihn mir zusammen mit meinen drei Töchtern (12, 10 und 9 Jahre alt) angesehen und möchte hier kurz eine jüdische Kritik darstellen.
Die Bewertung meiner Kinder fasst auch mein Gefühl gut zusammen, sie sagten, „es war der spannendste Film, mit dem dümmsten Ende, den sie je gesehen haben“.
Meine Kinder fanden den Film besonders interessant, weil er unsere jüdische Geschichte erzählt. Sie haben viel von König David gehört, einiges in der Schule gelernt und hier sahen sie ihn zum ersten Mal auf der großen Leinwand als Superheld.
Es kommt schon ein bisschen israelischer Nationalstolz bei diesem Film ins Spiel, vor allem, da immer wieder erwähnt wird, dass David, oder Saul, der König Israels ist. Also unseres aktuellen Landes, nur 3000 Jahre vor Bibi Netanjahu.
Christliches Studio, göttliche Message
Genauso wie im heutigen Israel, wo man dauernd „Baruch Haschem“ hört, wird Gott auch im Film David dauernd erwähnt, was mir sehr gefiel. Für das Produktionsstudio war dies ein wichtiges Ziel des Films, denn er wurde von den Machern als globaler Missionsauftrag verstanden, um Menschen durch Unterhaltung Gott näherzubringen.
Das südafrikanische Studio Sunrise Animation wurde von Gründer Phil Cunningham initiiert, dem die Idee nach eigenen Angaben kam, als er unter dem Sternenhimmel die Psalmen las und „von Gottes weitem, wunderschönem und abenteuerlichem Herzen“ tief berührt wurde.
Zusammen mit dem gläubig geführten Verleiher Angel Studios war es das erklärte Ziel, die biblische Geschichte nicht als trockene Moralpredigt, sondern als lebendiges Zeugnis für Vertrauen und Demut zu inszenieren. Regisseur Brent Dawes betonte dabei den Wunsch, den Zuschauern „einen authentischen Blick in das Herz eines Mannes nach dem Herzen Gottes zu schenken“ und durch den Film „Seelennahrung für eine Generation zu schaffen, die visuelle Exzellenz gewohnt ist, aber nach echter Hoffnung sucht.“
Das Gute an dieser Mission der Produzenten ist, dass man das Quellenmaterial nicht verändern und an das moderne Publikum anpassen muss. Man muss nur so nah wie möglich am Original-Manuskript, dem Buch Samuel, bleiben und wird ein Bild eines Mannes nach dem Herzen Gottes zeichnen.
Leider haben sich die Produzenten jedoch zu viel Freiheit bei der Erzählung genommen und damit das Bild Davids verzerrt dargestellt. Vielleicht lag das an der verzerrten christlichen Theologie, die sich von der jüdischen unterscheidet, die eigentlich von David repräsentiert wird.
Die Geschichte
Der Film beginnt stark und wirklich spannend. David schützt seine Schafe vor wilden Tieren, wird von Samuel heimlich zum König gesalbt und besiegt Goliath. Der Kampf mit Goliath ist der Lieblingsteil meiner Kinder und ist auch spannend für alle, die wissen wie dieser Kampf ausgehen wird. Hier wird gut dargestellt, wie David auf Gott vertraut, um den Kampf zu gewinnen, aber gleichzeitig nach guten Steinen sucht, die er gegen Goliath einsetzen wird.
Nach diesem Sieg verbringt David mehr Zeit im Palast von König Saul, freundet sich mit seinem Sohn Jonathan an und flüchtet schließlich vor dem König, der fürchtet, dass David ihn vom Thron stürzt. David und einige hundert Gefolgsleute flüchten mit ihren Familien in die Wüste und zu den Philistern und David und seine Krieger ziehen schließlich als Philister getarnt in den Krieg für König Saul.
Hier beginnt der Film stark vom Original abzuweichen. David muss ansehen, wie Saul und sein Sohn Jonathan während der Schlacht getötet werden, was nicht so im Buch Samuel steht. Auch meine Kinder fanden diese Szene unglaubwürdig und „total doof“.
Im Original war David bei dieser Schlacht nicht anwesend, denn die Amalekiter hatten die Familien von Davids Kämpfern entführt. Im Film bemerkten David und seine Leute mitten in der Schlacht auch, dass ihr Lager angegriffen wurde und sie verlassen das Schlachtfeld, während Saul und Jonathan vor ihren Augen getötet werden. David und seine Kämpfer laufen zu ihrem Lager zurück und finden es geplündert vor.

Die Szene, wie die Kämpfer zu ihren verlassenen Häusern zurückkehren, kann der Film gut einfangen, denn er bleibt nahe am Original, wo es heißt:
„Als nun David samt seinen Männern zur Stadt kam, siehe, da war sie mit Feuer verbrannt, und ihre Frauen, ihre Söhne und Töchter waren gefangen weggeführt worden. Da erhoben David und das Volk, das bei ihm war, ihre Stimme und weinten, bis sie nicht mehr weinen konnten. Und David war sehr bedrängt, denn das Volk wollte ihn steinigen, weil die Seele des ganzen Volks erbittert war, jeder wegen seiner Söhne und wegen seiner Töchter. David aber stärkte sich in dem Herrn, seinem Gott.”
(1. Samuel 30: 3-6)
Im Buch Samuel fragt David Gott, ob er die Amalekiter verfolgen soll und Gott antwortet, er soll. David holt die Entführer schließlich ein, befreit die Familien und bringt sie zurück in Sicherheit. Ende der Geschichte.
Im Film geht es jedoch ganz anders weiter, nachdem die Familien entführt wurden.
Ein Hollywood-Märchen
Die alternative Geschichte des Films geht folgendermaßen:
In Davids Camp herrscht Untergangsstimmung, als erkannt wurde, dass alle Frauen und Kinder entführt wurden. Anstatt jedoch seine Kämpfer mitzunehmen, geht David alleine los, um sie zu befreien, er lässt sogar sein Schwert zurück.
Er hat keinen Plan als er schließlich auf die bösen Amalekiter trifft. Er geht einfach auf sie zu, lässt sich von ihnen gefangennehmen und wird fast getötet. Als ich das anmerkte, während wir den Film schauten, gerieten meine Kinder ganz außer sich.
„Der spinnt doch, einfach so bei den Amalekim aufzutauchen!“ schrie Sarah.
„Was denkt er sich eigentlich?“ fragte Naomi.
Racheli tippte sich einfach nur an die Stirn.
Die Mädchen fieberten wirklich mit und konnten einfach nicht verstehen, warum ihr Held einfach ins feindliche Lager spazierte und sich gefangennehmen ließ.
Hier gab es ein Detail, das mir erst später bewusst wurde: Wir dürfen nicht vergessen, dass David der Vorfahre des Messias ist und auch wenn wir Juden nicht wissen, wann er kommt und wer er ist, gilt das nicht für Christen. Christen wissen, wer der Messias ist und vielleicht haben sie deshalb König David in diesem Film mit gespreizten Armen hängend dargestellt. Sehr subtil, aber wer es bemerkt, erkennt die Symbolik.

David hängt also mit gespreitzten Armen am Baum, während sein Henker sein Messer schleift.
Die Macher des Films tauchen jetzt voll und ganz in ihre eigene Fantasiewelt ein, denn David wird schließlich durch die Kraft des Gesanges oder so befreit. Das Volk beginnt zu singen und aus den fiesen Amalekitern werden plöztlich Angsthasen, die von Davids Kämpfern, die in letzter Sekunde noch hinzugeeilt kamen, leicht besiegt werden.
So steht es sicherlich nicht in der Bibel und sogar meine Kinder haben ungäubige Blicke gewechselt, als die Amalekiter, die wirklich sehr fürchterlich aussahen, durch ein Lied besiegt wurden.
Am Ende sind die Familien wieder vereingt, Gesang und Liebe haben gewonnen und der Film endet mit einem Happy End. Was aus Saul und Jonathan geworden ist, wird nicht angesprochen, alle lächeln jedoch und umarmen sich und das wars.
Das elfte Gebot: sei kein Idiot
Ich möchte hier kurz einen jüdischen Grundsatz besprechen, der in diesem Film gut gezeigt wird. Nämlich, dass der Mensch mit seiner Arbeit versuchen soll ein gewünschtes Ziel zu erreichen, während das Ergebnis seiner Mühe von Gott abhängt.
Im Kampf gegen Goliath wurde dieses Prinzip deutlich, als David auf Gott vertraute, seinem Gegener jedoch mit einem Plan und mit einer Waffe gegenübertrat.
In der frei erfundenen Version des Kampfes gegen die Entführer hatte David weder einen Plan, noch eine Waffe. Er verhielt sich absolut untypisch für den großen Krieger, zu dem er mittlerweile geworden war. Und der Film hat richtig gezeigt, dass Gott solchen Idioten nicht hilft.

Propaganda?
Warum weicht der Film so sehr und auf so dumme Weise vom Original ab?
Ich könnte mir vorstellen, dass die christlich motivierten Produzenten des Films eine Parallele zwischen König David und Jesus ziehen wollten, wobei auch David gefangengenommen und an den Armen aufgehängt werden sollte. Vielleicht erhoffen sie sich, dass Kinder an König David denken, wenn sie über die Gefangennahme und Kreuzigung Jesu hören. Dann kann ihnen ein Priester sagen, „richtig, denn Jesus ist ein Nachkomme Davids und der Messias“.
Nachdem David jedoch von den Amalekitern gefangengenommen wurde, mussten sich die Produzenten auch eine neue Fortsetzung der Geschichte ausdenken und sie haben hier eine möglicherweise christliche oder moderne westliche Lehre (ich bin kein Experte) eingebaut. Nämlich, dass Gewalt keine Probleme löst, sondern nur die Kraft der Liebe.
Es ist wirklich schade, dass der Film auf solche Weise enden musste, denn er war wirklich spannend und hatte viele gute Szenen. Meine Kinder haben ihn zu ihrem Lieblingsfilm ernannt und auch für mich hatte er einen positiven Nebeneffekt: Da wir ihn an einem Freitag gesehen haben, gab mir der Film Gelegenheit am Abend, während des Schabbatessens über jüdische Theologie zu sprechen. Während ich sonst die Tora zitiere und meine Kinder dabei einschlafen, konnte ich dieses Mal über den Film sprechen, was sie viel spannender fanden.


2 Kommentare
Shalom Michael,
das ist wirklich nicht nur eine komische, sondern eine bizarre bis unmögliche Wendung, die diese David-Geschichte in dem Film nimmt.
Und das hat nichts mit dem christlichen Glauben zu tun, das ist einfach nur abstrus. – Da gebe ich dir völlig Recht!!! 😉
David ist zwar einer der Vorfahren von Jesus, aber David hatte sein eigenes Leben, so wie es im 1.Samuel und in 1.Chronik geschrieben steht.
— Durch seine Mutter Maria (Jesaja 7,14) ist Jesus per Abstammung und vor dem Gesetz durch seinen Adoptivvater Josef ein Nachkomme Davids und damit in der Königslinie. Da 70 nach Christi Geburt der Tempel in Jerusalem komplett von den Römern zerstört wird und damit auch die Abstammungsschriften, ist seitdem nicht mehr eine königliche Linie nachweisbar……
Nur mal so … in Kürze 😉 — da gäbe es noch viel mehr zu sagen/ schreiben…..
Danke für deinen Kommentar Christiane,
ich finde es auch sehr schade, dass dieser eigentlich gute Film nicht am Original geblieben ist.
Ich habe gelesen, dass er auf Netflix sehr beliebt ist und vielleicht machen es die Produzenten beim nächsten Mal besser. Die Geschichte von König David ist ja noch sehr lang, da könnten noch einige Folgen kommen.