Der Sommerferien-Blues

Sommerferien in Israel können für Eltern anstrengend sein: Kinder, Hitze, Chaos – und plötzlich ist das leere Haus der schönste Urlaub überhaupt.

Juli und August sind die heißesten Monate des Jahres und in diesem Jahr befinden wir uns sogar in einer nicht endenden Hitzewelle, also einem Hitze-Tsunami. Die Temperaturen steigen bis auf 37 Grad an und machen unser kleines Israel zu einer großen Sauna.

Natürlich sind diese zwei Monate auch die Zeit, in der Kinder Schulferien haben. Sie wollen tolle Ausflüge machen, jeden Tag unterhalten werden, dauernd Eiskaffee trinken oder versuchen ihn zu Hause selbst zu machen, aber kein Geschirr spülen, oder ihr Zimmer aufräumen.

Die ansonsten entspannteste Ehefrau von allen und ich befinden uns in einem Zustand ständiger Anspannung. Gut, dass ich eine Glatze habe und die hübscheste Ehefrau von allen eine Kopfbedeckung trägt, denn sonst würde man sehen, wie uns die mittlerweile grauen Haare zu Berge stehen.

Ich bin mit diesen Gefühlen nicht alleine, die sozialen Medien in Israel sind voller Beiträge von verzweifelten Eltern, die nicht wissen, was sie mit ihren Kindern anstellen sollen. Eine Mutter bezeichnete ihre Kinder als Gremlins, also kleine Monster, die nichts anderes im Sinn haben als ihr das Leben schwer zu machen. Eine andere hat ein schlechtes Gewissen, weil sie es ihrem Sohn erlaubt, den halben Tag vor dem Fernseher zu sitzen, während sie arbeiten muss. Als sie einmal ins Büro musste, nahm sie einen Babysitter, aber der Junge gab keine Ruhe und sie musste ihren Sohn und den Babysitter mit ins Büro bringen.

Die klügste Ehefrau von allen und ich hatten uns eigentlich gut auf die Ferien vorbereitet. Zum Beispiel hatten wir kleine Leinwände gekauft, an denen die Mädchen ihre künstlerischen Talente ausleben sollten. Wir hatten den Wohnzimmertisch mit einer Plastikdecke bedeckt, Stifte und Farben vorbereitet und die Kinder freuten sich. Nach etwa 10 Minuten hatten sie jedoch keine Lust mehr und ließen alles einfach herumliegen, um sich miteinander zu streiten, was sie immer tun, wenn ihnen langweilig ist.

Wenn es ihnen Spaß macht und sie beschäftigt sind, sollen sie sich meinetwegen ruhig streiten, aber wenn man nicht einschreitet, schaukelt sich der Zyklus der Gewalt hoch und jemand weint und muss getröstet werden. Das hilft also auch nicht. Ist das eine Metapher für den Nahostkonflikt? Könnte sein, denn es ist immer eines der Mädchen, das den Streit beginnt.

Frieden im Haus

Um mit einer positiven Note zu schließen, kann ich berichten, dass die abenteuerlustigste Ehefrau von allen mit unseren drei Mädchen für eine Woche zu einer Freundin nach Tiberias am See Genezareth gefahren ist. Auch David, unser Teenager, ist zurück nach Jerusalem gefahren und ich bin alleine zu Hause!

Endlich Urlaub.

Allerdings ist es jetzt so entspannend, dass ich nicht schlafen kann. Normalerweise habe ich so viel für die Familie zu tun, dass ich am Abend ganz erschöpft bin: kochen, putzen, bei Hausaufgaben helfen, nochmal kochen, bei Freunden abholen, Streit schlichten, Zähneputzen, Schlafanzug anziehen und so weiter und so weiter. Vor allem sind es jedoch die vielen Kniebeugen, die ich während des Tages mache, denn sobald ich mich hinsetze, passiert etwas und ich muss sofort wieder aufspringen.

Das alles muss ich jetzt nicht mehr machen, so dass ich mich von einem Spitzensportler zum Couch-Potato zurückentwickelt habe.

Da meine drei Töchter jedoch sehr lieb sind, haben sie Mitleid mit mir, denn sie denken, dass ich mich einsam fühle und traurig bin. Wenn sie also Zeit zwischen ihren Abenteuern haben, rufen sie mich an, um mich zu unterhalten und ich bringe es nicht übers Herz, ihnen zu sagen, dass ich meine Zeit alleine genieße.

Vorhin hatte mich Naomi angerufen, um mich daran zu erinnern, dass ich ihren geliebten Hamster in die Hand nehmen und streicheln soll, damit er nicht depressiv wird, wie im letzten Jahr, als die Kinder ohne ihn im Urlaub waren. Als ich das versucht habe, hat mich der Hamster in den Finger gebissen.

Das war schon genug Aufregung für mich für heute und es wird Zeit, mich wieder auf die Couch zu legen.

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Michael Selutin
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