Kampfabend in Tel Aviv: Israelis verprügeln Gäste aus aller Welt – vor Publikum und laufenden Kameras

In Tel Aviv traten israelische Kämpfer gegen Sportler aus aller Welt an. Was wie ein brutaler Kampfabend begann, wurde zu einer überraschend emotionalen Geschichte über jüdischen Stolz, Respekt im Ring und Israel als Licht für die Nationen.

Ende Juli fand in Tel Aviv ein Event statt, das es an Brutalität fast mit den Kämpfen in Gaza und dem Libanon aufnehmen kann. Anders als in den internationalen Schlachtfeldern Israels, umarmten sich die Gegner jedoch nach dem Ende der Kämpfe und zeigten eine Freundschaft, die es vielleicht auch mit unseren Nachbarn geben würde, wenn sie nicht von Terror-Diktaturen beherrscht wären.

Ich spreche natürlich nicht von Nahostpolitik, sondern von Kampfsport.

Beim GFN 1: Israel vs. The World traten internationale Kämpfer gegen israelische Sportler an. 11.000 Zuschauer füllten die Menora-Mivtachim-Arena in Tel Aviv, und für ein paar Stunden sah Israel nicht aus wie ein Land, das ständig boykottiert, beschossen oder verurteilt wird, sondern wie ein normales Land, das Gäste empfängt, Sport organisiert und dabei nebenbei ein paar sehr trainierte Männer gegeneinander antreten lässt.

Die göttlichen Gordons

All das war nur möglich, weil es in Israel zurzeit eine Familie gibt, die uns ins Rampenlicht der internationalen Kampfkunst katapultiert hat: Die Familie Gordon.

Die Wurzeln der Familie spannen sich über den gesamten Globus. Der verstorbene Vater, Dr. Azriel Gordon, war ein aus den USA eingewanderter Chiropraktiker und glühender Sportenthusiast. Die Mutter, Chaninat „Hananit“ Hashem, ist eine in Hongkong geborene Fitnesstrainerin mit thailändischen und philippinischen Wurzeln, die aus tiefster Überzeugung zum Judentum konvertierte. Aus dieser Verbindung ging in Israel eine Geschwisterschar von insgesamt acht Kindern hervor. Es ist ein faszinierendes Bild: Junge Männer mit asiatischen Gesichtszügen, die mit Kippa und Zizit (Schaufäden) zum Ring marschieren und damit etwas sichtbar machen, das man im internationalen Sport nicht oft sieht: jüdischen Stolz ohne Entschuldigung.

Dabei sind es zuerst ihre Namen, die diesen Auftrag verdeutlichen. Der erfolgreichste Kämpfer der Familie heißt Ahavat Hashem Gordon – übersetzt: Liebe Gottes Gordon. Sein kleiner Bruder heißt Ruach Haschem Gordon – Gottes Geist Gordon und der älteste Bruder heißt Kibedy Gordon – Meine Ehre Gordon.

Das sind nur die drei berühmten Kämpfer der Familie, es gibt noch zwei weitere Brüder mit göttlichen Namen und drei Schwestern, deren Namen Glaube (Emunah), Freude (Simcha) und Geschenk Gottes (Tshurat Hashem ) bedeuten. Sie alle betreiben Kampfsport und führen ein familieneigenes Fitnessstudio in Zikhron Ya’akov.

Die Gordons können auch ganz normal aussehen.

Als Kampfsport-Fan beobachte ich die Gordons schon länger und neben ihrer offensichtlich guten Kampftechnik begeisterte mich vor allem ihr jüdischer Stolz. Ich hatte vorher noch nie einen Kämpfer mit Kippa, Davidsternkette und Zitzit einen Ring betreten sehen und ich muss zugeben, dass mich dieser Anblick sehr berührt hat. Als sie dann echte Thailänder im Muay Thai besiegten und die israelischen Kommentatoren total ausflippten und sich die Tränen vom Gesicht wischten, bekam auch ich wässerige Augen (wahrscheinlich lag das an meinem Heuschnupfen).

Israel gegen die Welt

Aber zurück zum GFN (Gordon Fight Nights) Event. Der Hauptkampf fand zwischen der MMA-Legende John Lineker und Ahavat Hashem Gordon statt, der im Alter von 20 Jahren und einer Bilanz von 12 Siegen und 0 Niederlagen der leichte Favorit war. Lineker ist bereits 36 Jahre alt und hat seinen Zenit schon lange überschritten, aber er sah sehr fit aus und war deutlich kräftiger als Avsha, wie Ahavat Haschem in Israel liebevoll genannt wird.

Der Kampf fand nach Muay-Thai Regeln statt, der Paradedisziplin des Israelis, was ihm einen kleinen Vorteil verschaffte. Es war ein spannender Kampf, aber Avsha war schneller, beweglicher und dominierte die drei Runden. Lineker schwang jedoch schwere Haken, die den jungen Israeli jederzeit kurzzeitig in höhere Sphären schicken könnten. Glücklicherweise traf er nicht allzu oft, aber wenn er es tat, sah Avsha „jedesmal schwarz“, wie er später selbst sagte.

Die anderen Gordons gewannen ihre Kämpfe ebenfalls und der Abend endete mit 10 Siegen und 2 Niederlagen für das Team Israel, das gegen Kämpfer aus Brasilien, Mexiko, USA, Rumänien, Moldawien, Litauen, Tschechien und Griechenland antrat.

Es gab nur einen Kampf nach MMA-Regeln, während die anderen in Muay-Thai und Kickboxing stattfanden. Leider war der andere berühmte israelische Kämpfer, Nathan Levy, einer der Verlierer dieses Abends. Er verlor nach Punkten, obwohl er viel kräftiger als sein Gegner aussah. Er wurde jedoch schnell müde, der Strand und das Nachtleben von Tel Aviv waren wohl zu viel für Levy, der seit Jahren in Las Vegas lebt.

Die Rede nach dem Kampf

Der gesamte Abend war hervorragend organisiert und bot den Zuschauern etwas, das man im kleinen Israel immer seltener zu sehen bekommt: eine Großveranstaltung mit ausländischen Teilnehmern. In Israel muss alles im Zusammenhang mit dem Krieg gesehen werden, was auch die Kämpfer bei ihren Ansprachen taten.

Nach den Kämpfen wurden die Israelis vom Ringsprecher und Organisator des Events, Yaniv Kaminski, interviewt und die meisten sprachen über die Soldaten im Einsatz, über ihren Wunsch nach Einheit im jüdischen Volk, über die Opfer Israels und ihre Dankbarkeit für die internationalen Kämpfer für ihren Besuch Israels. Die Interviews waren sehr emotional und wieder einmal machte sich mein Heuschnupfen bemerkbar.

Es gab auch einige interessante Aussagen der Gäste. Besonders gefiel mir der tschechische Kämpfer Radek Štádler, der nach seiner Niederlage das Mikrofon in die Hand nahm und sich an das Publikum richtete: „Ich muss eine Sache sagen: Vor diesem Kampf war ich ein Atheist. Aber ihr habt mich nach Silo und nach Jerusalem mitgenommen, und ich habe den Weg gesehen, den Jesus gegangen ist… und ich sage euch eines, Israel: Jetzt glaube ich! Danke, ich liebe euch, Leute!“

Als ich dies hörte, klingelte sofort mein Bibel-Sinn, so wie es bei Spider-Man der Fall ist, wenn er Gefahr spürt. Denn das Volk Israel soll für die Nationen der Welt ein Priestervolk sein (2. Mose 19:6), sie also zu Gott führen. Sogar Mose, der größte Prophet Israels, hätte sich nicht vorstellen können, dass dies durch Muay-Thai-Kämpfe in Tel Aviv passieren würde.

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Michael Selutin
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