Urlaub in Ashdod: Auf den Spuren der Bundeslade

Ich kann mir den Anblick der Bauern gut vorstellen, als plötzlich ein Wagen mit der Bundeslade am Horizont auftauchte.

Wir haben endlich die zweimonatigen Sommerferien in Israel hinter uns, heute begann der erste Schultag. Es war eine lange, schwere Zeit mit gelangweilten Kindern, einer Hitzewelle, die eher ein Hitze-Tsunami war und natürlich einem Krieg im Hintergrund.

Zwischendurch hatten wir eine entspannende Woche, da wir sie in Ashdod verbracht haben. Wir haben eine Wohnung bei Airbnb gemietet, die relativ nahe am Strand lag. Nachdem wir die letzten zwei Jahre in Bat Yam und Netanja verbracht hatten, war nun die biblische Küstenstadt Ashdod an der Reihe.

Wir leben die Bibel

Ashdod ist aus dem Buch Samuel bekannt, als die Philister die von den Israeliten gestohlene Bundeslade in diese Stadt brachten. Auch Bet Shemesh wird erwähnt und ich möchte den Abschnitt aus dem Buch Samuel hier kurz einmal wiedergeben:

Im elften Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung führten die Israeliten Krieg mit den Philistern und verloren 4000 Männer in einer Schlacht. Daraufhin zogen die verbliebenen Kämpfer nach Schiloh, wo die Bundeslade stand, und nahmen sie mit für die nächste Schlacht. Dies war jedoch nicht angemessen und die Israeliten wurden auch in der nächsten Schlacht geschlagen und verloren 30.000 Soldaten.

Ein Nachbau der Bundeslade

Die Bundeslade (in der die Tafeln mit den Zehn Geboten enthalten waren) wurde von den Philistern erbeutet und nach Ashdod entführt. Dort wurde sie im Tempel des Dagon neben seine Statue gestellt, mit der Symbolik „Unser Gott hat den Gott der Israeliten besiegt“.

Am nächsten Morgen fanden die Einwohner Ashdods jedoch die Statue des Dagon vor der Bundeslade liegen, als würde sie sich vor ihr niederwerfen. Zufall? Sie stellten die Statue wieder an ihren Platz, aber am nächsten Morgen lag sie wieder vor der Bundeslade, jedoch mit abgeschnittenen Händen und ohne Kopf. Die Botschaft war klar – aber niemand wollte sie hören.

Dagon soll den Unterörper eines Fischs gehabt haben.

Da die Message immer noch nicht verstanden wurde, schaltete der Gott der Israeliten einen Gang höher, „die Hand des Herrn lag schwer auf den Einwohnern von Ashdod, und er brachte Verderben über sie und schlug Ashdod und sein ganzes Gebiet mit Beulen.“

Die Einwohner von Ashdod hatten schließlich genug und schickten die Bundeslade in die Stadt Gat. Dort wurden die Einwohner ebenfalls mit Beulen geschlagen und schickten die Bundeslade weiter nach Ekron. Auch dort wurde die Bevölkerung Opfer der Beulenpest und man entschied sich, die Bundeslade zurück nach Israel zu schicken.

Es fiel den Philistern nicht leicht, doch schlussendlich gaben sie die Bundeslade zurück. Jedoch nicht ohne vorher ihre Priester zu fragen, auf welche Weise sie es tun sollten, um „Gottes Zorn zu besänftigen“. Die Priester wussten vom Auszug der Juden aus Ägypten, der nicht viele Generationen vorher stattgefunden hat… „warum wollt ihr euer Herz verstocken, wie die Ägypter und der Pharao ihr Herz verstockten?

Sie rieten, der Bundeslade bei der Rückgabe Geschenke mitzugeben und die Lade selbst in einen Wagen zu legen, der von Kühen gezogen wird, jedoch ohne Kutscher.

„Und gebt acht: Wenn sie den Weg hinaufzieht, der zu ihrem Gebiet führt, nach Bet Shemesh, so hat Er uns all dies große Übel zugefügt; wenn nicht, so wissen wir dann, dass nicht Seine Hand uns geschlagen hat, sondern dass es uns zufällig geschehen ist!“

Kühe, die nicht angetrieben werden, gehen normalerweise nicht bergauf und vor allem nicht zielgerichtet, aber „Da gingen die Kühe auf dem Weg geradeaus auf Bet Shemesh zu; sie gingen nur auf ein und derselben Straße und brüllten beim Gehen; und sie wichen weder zur Rechten noch zur Linken. Und die Fürsten der Philister gingen ihnen nach bis an die Grenze von Bet Shemesh.“

Man kann sich vorstellen, wie die Einwohner von Bet Shemesh auf den Anblick des Wagens und der Kühe reagierten: „Die Betshemiter aber schnitten eben den Weizen im Tal. Als sie nun aufschauten, sahen sie die Lade und freuten sich, sie zu sehen. Der Wagen aber kam auf den Acker Josuas, des Betshemiters, und stand dort still.“

Bet Shemesh in biblischer Zeit

Gestern und heute

Ich hatte diese Geschichte bisher irgendwie übersehen und jetzt einiges gelernt. Vor allem, dass ich ein Betshemiter bin! Und als Betshemiter fahre ich oft nach Ashdod, da es für uns die nächste Stadt mit einem Strand ist. Ich stelle mir vor, wie der Wagen mit der Bundeslade diesen Weg in die entgegengesetzte Richtung gezogen wurde. Es muss für die Kühe nicht einfach gewesen sein, den Anstieg vom flachen Küstengebiet zu uns zurückzulegen, da sich Bet Shemesh in einem Hügelgebiet befindet.

Heute besteht Bet Shemesh vor allem aus Betongebäuden, umgeben von Wäldern, während es damals ein landwirtschaftlicher Ort war. Wenn ich von meinem Balkon in Richtung Westen schaue, wo Ashdod liegt, sehe ich ein Einkaufszentrum und einige neue Stadtviertel, aber bevor es diese gab, waren nur bewaldete Hügel zu sehen. Ich kann mir den Anblick der Bauern gut vorstellen, als plötzlich ein Wagen mit der Bundeslade am Horizont auftauchte.

Würde so etwas heute geschehen, wäre das eine höchst politische Sache, denn in Bet Shemesh gibt es viele verschiedene religiöse Gruppen, die die Ankunft der Bundeslade als Zustimmung zu ihrer Lebensweise auslegen würden. Bei welcher Synagoge würde der Wagen zum Stehen kommen? Ich bin mir sicher, dass die Kühe den Wagen zu meiner Synagoge lenken würden, da wir einen sehr heiligen Rabbi haben und unsere Art des Gottesdienstes der einzig richtige ist 😉.

Bet Shemesh heute: Der Blick von meinem Balkon

Die Moral der Geschichte

Diese Episode aus dem Buch Samuel hat mir wieder einmal vor Augen geführt, dass wir Juden von heute die Geschichten der Bibel fortführen. Die jüdische Geschichte begann mit Abraham, aber sie endete nicht, als die Bibel abgeschlossen war. Sie wurde im Talmud und später in den Schriften der babylonischen Weisen festgehalten. Im Mittelalter verlegte sich die Erzählung der jüdischen Geschichte ins dunkle Europa, was in den Schriften der damaligen Rabbiner (Rishonim und Acharonim) gut beschrieben wird. Dort fand die jüdische Geschichte in der Mitte des letzten Jahrhunderts ein brutales Ende und es wird nicht lange dauern, bis sich Europa von seinen Juden befreit hat.

Heute wird die jüdische Geschichte in Israel weitergeführt. Wir leben wieder in dem Land, in dem Abraham vor etwa 4000 Jahren lebte und ich lebe in der Stadt, in der die Bundeslade für eine kurze Zeit stand. Anstatt mit den Philistern, schlagen wir uns heute mit den Palästinensern herum und auch wenn wir in unseren Kriegen keine offenen Wunder sehen, ist Gottes Hand deutlich zu erkennen.

Die Fortsetzung der Bibel und der jüdischen Geschichte wird heute in den modernen, globalen Medien erzählt, die wahrscheinlich nicht zufällig mehr über Israel berichten als über jedes andere Land. Wer es schafft, durch die Lügen und Fake News der Medien zu schauen, kann die jüdische Geschichte und die täglichen Wunder in Israel live mitverfolgen. Und wer einen etwas persönlicheren Einblick in die moderne Bibel Israels haben möchte, kann diesen Blog eines Betshemiters und seiner schrecklich jüdischen Familie lesen.

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Michael Selutin
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