Während unseres 2000-jährigen Exils waren wir Juden nicht gerade als große Sportler, Krieger, Landwirte oder Handwerker bekannt. Im Gegenteil, das Bild des schwächlichen, eher intellektuellen Juden wurde von unserer Umwelt und uns selbst als normale Verfassung des Juden verinnerlicht.

In den letzten 200 Jahren, aber vor allem seit der Gründung des modernen Israel, hat sich dieses Bild verändert und der starke Jude, wie wir ihn in der Bibel vorfinden, ist zurück auf der Weltbühne.
Als Volk lassen wir den Ghettojuden hinter uns, der ein neurotisch-schwächlicher Woody Allen Typ war und entwickeln uns zu einem Bibeljuden, wie es der Poet und Krieger König David war.
Die vier Säulen eines guten Lebens
Um unser volles Potenzial als zu erreichen und biblische Superhelden zu werden, haben die Chassiden aus Pilzno in Polen ein System für ein gutes Leben entwickelt, das auf uralten Weisheiten des Judentums basiert.
Ich hatte schon in meinen Geschichten aus der Synagurke über Rabbi Gerzi berichtet und hier möchte ich sein System eines guten Lebens vorstellen, das auf den Lehren seines Lehrers, dem Pilzno-Rabbi, basiert. Dieses System soll den Menschen ausbalancieren, also ein optimales Gleichgewicht der physischen, sozialen, intellektuellen und spirituellen Eigenschaften des Menschen herstellen.
Die vier Säulen, auf Hebräisch „Arba Yesodot“, sind sehr simpel und intuitiv, aber man vergisst sie oft und sie sind wirksamer, wenn sie in einem umfassenden System eingesetzt werden. Sie lauten:
- Physische und finanzielle Gesundheit
- Soziale Beziehungen
- Wissen und Weisheit
- Führung/Beratung für ein spirituelles Leben

Die Stärkung dieser vier Säulen führt zu einem balancierten und besseren Leben.
Eine gute Übung wäre, diese vier Punkte aufzuschreiben und sie auf einer Skala von 1 bis 10 zu bewerten. Gebe ich einem Bereich zum Beispiel eine 3, dann sollte ich daran arbeiten, diese Zahl zu erhöhen.
Dieses System gibt und ein messbares Instrument in die Hand, das wir bewusst in unser Leben einbauen können, um es zu verbessern. Im Folgenden möchte ich die Arba Yesodot vorstellen und wenn möglich dokumentieren, wie ihre Umsetzung mein Leben verändern.
Erste Säule – physische Gesundheit
Heutzutage muss man niemanden mehr davon überzeugen, dass ein gesunder Körper die Basis für ein gesundes, gutes und glückliches Leben ist. Aber viele Menschen, die versuchen, gesünder zu leben, machen einen Fehler, da sie oft mit dem schwierigen Teil dieser Säule beginnen.
Rabbi Gerzi beschreibt 5 Punkte, die physische Gesundheit fördern:
- Atmen
- Trinken
- Schlafen
- Essen
- Bewegen
Von diesen ist es am schwersten, seine Ernährung zu ändern sowie sich mehr zu bewegen. Stattdessen sollte man mit den ersten drei Punkten beginnen, die viel einfacher sind.
- Atmen
Es ist sehr gesund, richtig zu atmen und Rabbi Gerzi empfiehlt diesen Bereich zu trainieren, indem man 5 Minuten in einer ruhigen Umgebung sitzt und sich einfach auf seine Atmung konzentriert.
Diese Meditation stammt nicht aus dem fernen Osten, sondern hat durchaus jüdische Ursprünge, wie es zum Beispiel Rabbi Aryeh Kaplan in seinem Buch Meditation and Kabbalah beschreibt.
Wer seine Gesundheit verbessern möchte, sollte sich also täglich 5 Minuten Zeit nehmen, um bewusst zu atmen. Diese Meditation kann dann erweitert werden, indem man beispielsweise einen Bibelvers als Mantra wiederholt, oder mentale Bilder in seiner Vorstellung erstellt. Am Schabbat nehmen wir uns in unserer Synagoge 30 Minuten Zeit vor Beginn des Gebets und meditieren auf genau auf diese Art mit unserem weisen Rabbi.
- Trinken
Wie allgemein bekannt, sollte man zwei Liter Wasser pro Tag trinken. Allerdings zählen Softdrinks, schwarzer Tee, Kaffee und die meisten Säfte nicht dazu. Rabbi Gerzi empfiehlt, in regelmäßigen Abständen einfach ein großes Glas Wasser auszutrinken. Diese kleine Veränderung sollte einen großen Effekt haben, da sie unsere Flüssigkeitszufuhr drastisch erhöht.
- Schlafen
Die moderne Wissenschaft hat verstanden, was Juden schon lange wussten. Der Rambam schrieb vor fast 1000 Jahren, dass man versuchen sollte, etwa 8 Stunden pro Tag zu schlafen.

Hier empfiehlt Rabbi Gerzi vor dem Schlafen kein TV, PC oder Handy zu benutzen, den Schlafplatz so dunkel wie möglich zu gestalten und das lange „Schma Israel“-Gebet zu sagen. Vor allem den Abschnitt, in dem man allen Menschen verzeiht, wo es unter anderem heißt:
„Hiermit vergebe ich jedem, der mich verletzt hat, und jedem, der mir Unrecht getan hat; ob absichtlich oder aus Versehen, ob durch Worte oder Taten in dieser oder in früheren Inkarnationen. Niemand soll meinetwegen bestraft werden.“
Wer seinen Mitmenschen verziehen hat, ist eine große Menge an Gedanken losgeworden, die den Schlaf stören können.
- Essen
Es ist kein großes Geheimnis, dass die richtige Ernährung sehr wichtig für die Gesundheit ist und es gibt sehr viele Ernährungsprogramme, die man ausprobieren kann. Hier ist es wichtig, aktiv zu werden, sich für einen Weg zu entscheiden und diesen durchzuziehen.
- Bewegen
Im Bereich der Fitness geht es ebenfalls darum, zu finden, welche Art der Bewegung einem gut tut und Spaß macht. Prinzipiell ist mehr immer besser.
Im nächsten Teil dieser neuen Serie werden wir den zweiten Teil der ersten Säule besprechen, die finanzielle Gesundheit. Jetzt gehe ich erstmal für fünf Minuten atmen, bis bald.