Gefühlsupdate aus Bet Shemesh – zwischen Krieg, Politik und Geburtstagskuchen

Wie fühlt sich Israel mitten im Sturm der Weltpolitik an? Ein persönliches Gefühlsupdate aus Bet Shemesh über Krieg, Trump, Annexion, Todesstrafe – und Geburtstage im Regen.

Bei all den Nachrichten aus Israel wird oft nicht deutlich, wie sich der normale Israeli fühlt, der sich mitten im Sturm der Weltereignisse befindet. Diese Lücke schließt mein Blog, der wie ein Radio die Gefühlswelt Israels in die Welt hinausschickt. Hier also ein kurzer Einblick in unsere Gefühle.

Ende des Krieges

Ist der Krieg in Gaza zu Ende? Natürlich nicht. Er begann nicht am 7. Oktober und endete nicht mit dem aktuellen Waffenstillstand. Die Hamas wird ihre Waffen und ihren Kampf gegen Israel nicht aufgeben, und die Israelis werden sich weiterhin weigern, getötet zu werden.

Da jetzt alle lebenden Geiseln frei sind, könnte Israel den Gazastreifen effektiver von der Hamas befreien, aber es scheint, Donald Trump hat andere Ideen. Was auch immer er sich vorstellt – es wird keine friedliche Lösung für Gaza geben, leider genauso wenig wie Trumps Idee der Umsiedlung der Einwohner Gazas funktioniert hat.

Ganz Israel weiß, dass der Krieg nicht vorbei ist, aber zurzeit freuen wir uns noch über die Rückkehr der Geiseln und über die Pause für unsere Soldaten. Es scheint jedoch, dass die Soldaten nach Gaza zurückkehren wollen, um „ihre Arbeit zu beenden“, wie sie es sagen. Sie verstehen am besten, dass die Hamas vollständig vernichtet werden muss, um in Frieden leben zu können. Sie haben jedoch auch die Geduld, der Diplomatie eine Chance zu geben – die Hamas wird nicht verschwinden, und man kann sie auch später noch ausschalten.

Ausgetrumpt

Als Donald Trump zum US-Präsidenten gewählt wurde, war die Freude in Israel groß, und tatsächlich hat er sich in einigen Punkten als guter Freund erwiesen. Er ist auch viel besser für uns als Biden, der Israel aktiv sabotiert hat.

Leider sind wir jedoch aus unserer Trump-Euphorie aufgewacht, da er einige Schritte unternommen hat, die nicht in unserem Interesse sind – und auch nicht im amerikanischen.

Zuerst befahl er Bibi, die Bombardierung des Iran zu beenden, kurz bevor wir dem Regime einen möglicherweise tödlichen Schlag versetzen konnten. Warum er unbedingt ein Ende des Krieges mit dem Iran wollte – niemand weiß es.

Aktuell behandelt uns Trump wie einen Vasallenstaat. Er hat zwar großen Anteil an der Befreiung der Geiseln gehabt, aber warum zwingt er uns jetzt eine muslimische Polizeitruppe für den Gazastreifen auf? Soll Israel jetzt auch noch Soldaten aus feindlichen Staaten wie der Türkei und Katar auf dem Schlachtfeld dulden?

Auch versucht er, die 200 Hamas-Kämpfer, die in einem Tunnel unter Rafah gefangen sind, zu befreien. Wirklich? Die Terroristen sollen freigelassen werden? Steht Trump so sehr unter dem Einfluss von Katar? Will er um jeden Preis Friedensverträge produzieren, um als großer Mann des Friedens in die Geschichtsbücher einzugehen?

Was auch immer ihn bewegt – ich hoffe, er hat weiterhin Israels Interessen im Blick, aber wir Israelis trauen ihm nicht mehr.

Das Land unserer Väter

Ein weiteres Thema, in das sich die Trump-Regierung einmischt, ist die Frage der Souveränität über Judäa und Samaria. Einige Regierungsmitglieder fordern, das israelische Recht auch auf diese Gebiete auszuweiten und sie offiziell zu Israel zu machen.

Dass sie Teil des ursprünglichen Israels waren, ist klar, aber wer es „Westjordanland“ nennt, will das nicht anerkennen – und das sind fast alle Länder der Welt.

Als US-Vizepräsident Vance in Israel war, sagte er, er fühle sich persönlich beleidigt, dass die Knesset einen Vorschlag zur Annexion von Judäa und Samaria annahm.

Dass die gesamte Welt ähnlich ausrasten wird, wenn Israel sein historisches Gebiet offiziell integriert, steht außer Frage – aber mittlerweile ist es uns ziemlich egal, was die Welt von uns denkt.

Praktisch gesehen wäre eine Annexion sehr vorteilhaft für die etwa halbe Million jüdischen Bewohner von Judäa und Samaria, da sie dann die gleichen Rechte für Infrastruktur und andere staatliche Dienstleistungen erhalten würden.

Außerdem befindet sich dort eine feindliche Regierung, die Israel aktiv bekämpft; das Experiment eines Quasi-Staates für die Palästinenser war ein deutlicher Misserfolg.

70 Prozent der Israelis sollen eine Annexion unterstützen, und es sind nur außenpolitische Bedenken, die uns zögern lassen.

Todesstrafe

Beim Thema Todesstrafe für Terroristen kann die USA wahrscheinlich nichts sagen, da sie sie selbst anwendet. Aber der Rest der „zivilisierten Welt“ wird sich mit aller Macht dagegen wehren, dass Israel verurteilte Terroristen tötet.

Vor kurzem wurde der Gesetzesvorschlag in der Knesset einen weiteren Schritt näher zur Annahme gebracht – und es wäre eine sehr gute Sache. Anstatt die Terroristen ihr Leben lang in Gefängnissen durchzufüttern, gibt man ihnen die Strafe, die sie verdienen, und schreckt gleichzeitig neue Terroristen ab.

Ich kann mir jedoch schwer vorstellen, dass Israel beginnt, hunderte Menschen zu töten. Wie würde das denn aussehen? Der weltweite Aufschrei wäre ohrenbetäubend.

Auch hier sind es die Nationen und Institutionen der Welt, die uns daran hindern, das Richtige und Gute für unser Land zu tun. Ich habe das Gefühl, dass wir eine Regierung brauchen, die genug von den Fesseln hat, die uns international auferlegt werden.

Sie würde dann sagen: „Ihr hasst uns sowieso, wir werden nicht mehr auf euch hören.“

Diese Regierung würde Judäa und Samaria annektieren, die Todesstrafe einführen und durchsetzen und die Hamas im Gazastreifen besiegen.

Wir würden unseren Feinden und „Freunden“ weltweit gerne den Mittelfinger zeigen und ihnen sagen, dass sie sich nicht in unsere Angelegenheiten einmischen sollen. Leider haben wir nicht das Selbst- und Gottvertrauen, dies zu tun.

Regenpause und Geburtstage

Es gibt jedoch auch gute Nachrichten. Am Donnerstag fiel der erste Regen des neuen jüdischen Jahres, und am Schabbat stürmte es fast. Als die ersten Regentropfen herunterkamen, war ich gerade draußen und wurde etwas nass. Die Tropfen hinterließen Sandflecken auf meiner Kleidung – so schmutzig war die Luft hier.

Jetzt ist die Luft viel besser, und unser Auto ist sogar sauber geworden.

Die zweite gute Nachricht – zumindest für unsere Kinder – ist der Beginn der Geburtstagssaison. Am Schabbat wurde Racheli 10 Jahre alt, am Donnerstag ist David dran, die Woche danach kommt Naomi an die Reihe, und noch drei Wochen später hat Sarah ihre Bat Mitzwa.

Wir befinden uns also in sehr spannenden Zeiten, politisch und privat, denn das ist die Realität in Israel:

Wir leben gleichzeitig im Sturm und in der Sonne. Zwischen Politik und Regen, zwischen Angst und Geburtstagskuchen.

Und genau das ist das wahre „Gefühlsupdate“ – wir gehen weiter, egal was kommt.

Hat dir der Text gefallen?

Michael Selutin
Wenn du dich mit mir über dieses oder ein anderes Thema unterhalten möchtest,
miete mich einfach hier für eine Stunde.
Jetzt buchen

Diesen Text teilen

Facebook
Twitter
Pinterest

Weitere Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Zum Inhalt springen