Von Ägypten bis Gaza: Antisemitismus als Krankheit, die zur Selbstzerstörung führt

„Wenn ich mir Europa als Ganzes und die anhaltende Krise im Nahen Osten anschaue, vermute ich, dass wir uns einer neuen Krise in der Pathologie der Nationen nähern.“

„Rassismus“ – so lautet oft die schnelle Schublade, in die Antisemitismus gesteckt wird. Klingt logisch: Juden werden abgelehnt, diskriminiert, verfolgt – also Rassismus, oder? Doch der britische Historiker Paul Johnson hat es treffender formuliert: Antisemitismus ist keine Unterart von Rassismus, sondern eine eigene Krankheit. Eine geistige Seuche, irrational, ansteckend und selbstzerstörerisch.

Während Rassismus meistens mit Hautfarbe oder Herkunft begründet wird, folgt Antisemitismus ganz eigenen Mustern: mal religiös, mal politisch, mal verschwörerisch – und oft alles zusammen. Darum passt er nicht in die gewohnte Rassismus-Schublade.

Johnsons Diagnose

Johnson sagt: Antisemitismus ist keine Meinung, kein normales Vorurteil und auch kein simpler Rassismus. Es ist eine Krankheit des Geistes. Und wenn man seine Beispiele liest, merkt man schnell: Er hat recht.

Die ersten belegten Fälle von Judenhass stammen schon aus dem 3. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung – aus Alexandria. Seitdem hat sich der Antisemitismus nicht etwa erledigt, sondern einfach Schicht um Schicht neue Kostüme übergezogen. Wie bei einer archäologischen Ausgrabung: unten die antike Feindschaft, darüber die christliche Schicht, später die „aufgeklärten“ Atheisten, die das Ganze säkular einfärbten – und daraus wurden dann sowohl der sowjetische Antisemitismus als auch die Nazi-Verbrechen. Im 20. Jahrhundert kam schließlich noch eine neue Lage Staub dazu: der arabisch-muslimische Antisemitismus, der seit den 1920er Jahren stetig dicker geworden ist und bis heute immer neue Auswüchse treibt.

Das Muster ist immer dasselbe: Antisemitismus ist wie ein Virus, das ständig mutiert. Mal sind wir „zu reich“, mal „zu arm“. Mal „zu mächtig“, mal „zu schwach“. Mal „zu nationalistisch“ (Zionisten!), mal „zu kosmopolitisch“. Die Details wechseln, das Muster bleibt: keine Logik, sondern blanke Irrationalität.

“Der Antisemitismus scheint ebenso wenig Sinn zu ergeben wie Malaria oder Meningitis. In der gesamten Geschichte lässt sich kaum ein einziger Fall finden, in dem eine Welle des Antisemitismus durch eine reale jüdische Bedrohung (im Gegensatz zu einer imaginären) ausgelöst wurde“, schreibt Johnson.

Johnson macht noch einen entscheidenden Punkt: Diese Krankheit zerstört nicht nur die Juden – sie zerstört auch ihre Wirte. Spanien vertrieb 1492 seine Juden und verlor damit einen Großteil seiner Wirtschaft und Kultur. Deutschland tat Jahrhunderte später Ähnliches – mit bekanntem Ergebnis. Antisemitismus frisst also nicht nur seine Opfer, sondern auch die Gesellschaften, die ihn zulassen.

Wie Antisemitismus die arabische Welt zerstört

Aktuell zerfrisst die antisemitische Krankheit den größten Teil der moslemischen Welt. Johnson beschreibt ihre Situation folgendermaßen:

„In den letzten Jahren war Antisemitismus die vorherrschende Ideologie der arabischen Welt; ihr praktisches Ziel war die Zerstörung Israels und die Auslöschung seiner Einwohner. Und diese gewaltige und verhängnisvolle Kraft, diese Krankheit des Geistes, hat erneut ihre üblichen Folgen gehabt. So wie Hitler sein Leben durch Selbstmord beendete, nachdem er bei seiner Mission, das jüdische Volk zu vernichten, gescheitert war, so haben auch 100 Millionen oder mehr Araber, die unter dem Banner des Antisemitismus marschieren, trotz vier vollumfänglicher Kriege und unzähliger Wellen des Terrorismus und der Intifadas völlig versagt, das winzige Israel auszulöschen.

Indem sie zuließen, dass ihre krankhafte Besessenheit alle ihre Bestrebungen beherrschte, haben die Araber Billionen an Öl-Einnahmen für Kriegswaffen und Propaganda verschwendet – und am Rande auch für protzigen Luxus für eine winzige Minderheit. In ihrer Flucht vor der Vernunft haben sie es versäumt, ihre Gesellschaften zu modernisieren oder zu zivilisieren, Demokratie einzuführen oder die Rechtsstaatlichkeit zu festigen. Trotz all ihrer Vorteile werden sie nun entscheidend von den Indern und Chinesen überholt, die zwar nur über wenige natürliche Ressourcen verfügen, aber von Vernunft und nicht von Hass inspiriert sind.

Wäre eine jüdisch-arabische Zusammenarbeit von Anfang an möglich gewesen und wären die Einnahmen aus dem Ölgeschäft kreativ in Bildung, Technologie, Industrie und soziale Dienste investiert worden, wäre der Nahe Osten heute mit Abstand der reichste Teil der Erde. Dies ist eine der größten verpassten Chancen der Geschichte.“

Internationaler Antisemitismus

Heute ist der Judenhass weltweit ausgebrochen, wie das Coronavirus vor einigen Jahren. Kaum ein Land ist davon verschont geblieben und die Irrationalität könnte kaum deutlicher sein:

Nach dem versuchten Völkermord an den Juden Israels am 7. Oktober, sind es jetzt die Juden, denen ein Völkermord vorgeworfen wird.

Während die israelischen Geiseln in Gaza aussehen, als wären sie in Auschwitz inhaftiert, wird Israel vorgeworfen, die offensichtlich wohlgenährten Palästinenser in Gaza auszuhungern.

Westliche Länder, Institutionen und „Menschenrechtsorganisationen“ sympathisieren mit den fanatischen Islamisten anstatt mit der israelischen Demokratie, die einen Verteidigungskrieg führt.

Johnsons Beschreibung des Antisemitismus als Krankheit passt also auch sehr gut in unsere heutige Situation. Große Teile der Menschheit sind von diesem Virus befallen und wir Israelis können kaum noch ins Ausland reisen, mit ausländischen Unternehmen zusammenarbeiten, oder als Künstler im Ausland auftreten.

Ist Heilung möglich?

Johnson schreibt, „Antisemitismus ist eine Krankheit, die man sich selbst zufügt, was bedeutet, dass man sich durch Willenskraft und Vernunft von dieser Infektion befreien kann. Das ist jedoch nicht einfach, insbesondere in Gesellschaften, in denen Antisemitismus weit verbreitet oder zur Norm geworden ist.“

Ich habe selbst bemerkt, dass man mit Antisemiten keine vernünftige Diskussion führen kann. Sie haben eine fixe Vorstellung von Juden und unserer Geschichte, die man nicht mit Argumenten aus ihren Köpfen vertreiben kann. Es scheint wirklich, dass sich der Mensch nur selbst von dieser Krankheit heilen kann. Besonders in den sozialen Medien heutzutage, kann man unendlich viele „Beweise“ finden, die eine vorherrschende Meinung bestätigen.

Ein Weg, der gut hilft die Krankheit des Antisemitismus zu bekämpfen, ist ein Besuch in Israel. Es gibt viele Geschichten von Menschen, die uns hier besucht haben und eine ganz neue Sicht auf Juden und Israel erhalten haben. Sie haben eine Antisemitismus-Kur gehabt. Aber wie bringt man einen Antisemiten nach Israel?

Es scheint also kaum möglich die Welt vom aktuellen Antisemitismus zu heilen. Wir können nur hoffen, dass er sich nicht wie vor knapp 100 Jahren in einen Weltkrieg verwandelt. Auch Johnson war vor 20 Jahren, als er diesen Artikel schrieb, nicht optimistisch: „Wenn ich mir Europa als Ganzes und die anhaltende Krise im Nahen Osten anschaue, vermute ich, dass wir uns einer neuen Krise in der Pathologie der Nationen nähern.“

Paul Johnson ist mittlerweile verstorben und kann nicht sehen, dass seine Voraussage wahr geworden ist. Viele Nationen leiden stark an der antisemitischen Krankheit und es ist keine Heilung in Sicht.

Für Juden in der Diaspora bedeutet unsere Diagnose, dass sie entweder versuchen können, ihre Heimatländer vom Antisemitismus zu heilen, indem sie auf Demonstrationen gehen, Diskussionen führen, Politiker zu beeinflussen versuchen und ähnliches. Oder dass sie versuchen können, nicht als Juden aufzufallen, um ein halbwegs normales Leben zu führen.

Für uns Juden in Israel sollte der internationale Judenhass dazu führen, dass wir in uns hineinschauen, anstatt nach außen. Wir haben viele gesellschaftliche Probleme, um die wir uns kümmern müssen.

Der wachsende Antisemitismus zwingt uns, das alte Vertrauen in die Völker hinter uns zu lassen. Vielleicht ist die Situation genau, was wir brauchen, um uns von den Völkern zu lösen, die uns so lange unterdrückt haben. Anstatt auf das Wohlwollen der Weltgemeinschaft zu hoffen, müssen wir tun, was notwendig ist, um uns zu schützen.

Und anstatt auf Hilfe anderer Völker zu vertrauen, müssen wir endlich lernen, auf den Gott Israels zu vertrauen, wie in Psalm 146 beschrieben:

Verlasst euch nicht auf Fürsten, auf ein Menschenkind, bei dem keine Rettung ist!

Wohl dem, dessen Hilfe der Gott Jakobs ist, dessen Hoffnung ruht auf dem Herrn, seinem Gott!

Er hat Himmel und Erde gemacht, das Meer und alles, was darin ist; er bewahrt Treue auf ewig.

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Michael Selutin
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