In meinem letzten Beitrag habe ich über unsere regelmäßigen Bunker-Sitzungen wegen der Huthis geschrieben. In den letzten zwei Nächten haben nun auch die Iraner Raketen geschickt – und unsere Bunkerbesuche sind häufiger geworden.
Als Israel in der Nacht zum Freitag den Iran angriff, heulten die Sirenen im ganzen Land um 3 Uhr morgens. Anschließend wurde die Bevölkerung über Telefonnachrichten über den neuen Notstand informiert und auf eine mögliche imminente Antwort des islamischen Regimes in Teheran vorbereitet.
Die informierteste Ehefrau von allen und ich waren einerseits froh, dass Israel endlich die Ursache unserer Probleme angreift, aber gleichzeitig war uns natürlich klar, dass jetzt eine intensivere Phase des Krieges begonnen hat. Den Rest der Nacht schliefen wir kaum, da wir mit einer starken Antwort des Irans rechneten. Ein sofortiger Rückschlag blieb vor allem deshalb aus, weil Israel eine große Anzahl bereits mit ballistischen Raketen bestückte Raketenwerfer, bereit zum Abschuss, direkt in dieser Nacht zerstört hatte.
Die Schule fiel am Freitag erwartungsgemäß aus. Wir begannen trotz allem mit unseren normalen Schabbatvorbereitungen.
Schabbat im Bunker
Gleich zu Schabbateingang ertönte der erste Raketenalarm. Dieser warnte aber nicht vor einem Rückschlag des Iran, sondern vor einer Huthi-Rakete aus dem Jemen, die erfolgreich abgefangen wurde. Die erwartete Antwort des Iran begann dann während des Schabbat-Mahls, das von einer Raketenwarnung unterbrochen wurde. Gegen 21:00 Uhr begann ein Raketenangriff des Irans auf ganz Israel. Etwa eine halbe Stunde später folgte eine zweite Angriffswelle. Ich hatte vorausschauend das Hähnchen in Teriyaki-Soße schnell in mich hineingestopft, aber alle anderen Familienmitglieder wurden mitten im Hauptgericht unterbrochen und mussten es nach unserem ersten Aufenthalt dieses Schabbats Bunkerzimmer kalt zu Ende essen.
In der Nacht des Schabbats mussten wir noch zweimal in den Schutzraum laufen und dort jeweils längere Zeit verbleiben. Eine Angriffswelle um halb zwei Uhr morgens enthielt Dutzende ballistische Raketen und die Explosionen schienen kein Ende zu nehmen. Da wir am Schabbat keine elektronischen Geräte benutzen, waren uns die Details des aktuellen Angriffs nicht bekannt. Wir hatten den Computer mit einem Online-Nachrichtensender angeschaltet gelassen und dort wurden uns die Orte angezeigt, an denen gerade Raketenalarm ertönte. Normalerweise starren wir während eines Raketenalarms auf unsere Telefone, um die neuesten Informationen zu lesen, aber das konnten wir am Schabbat nicht tun. Das war schon ziemlich nervenaufreibend, aber auch, wenn wir alle Infos gehabt hätten, was hätte das an unserer Situation geändert?

Unsere drei Töchter blieben nach dem ersten nächtlichen Angriff im Bunkerzimmer, sie brachten ihre Kissen und Decken mit und schliefen auf dem Ausklappsofa. Als um fünf Uhr morgens der letzte Raketenalarm der Nacht losheulte, legte sich David zu ihnen, während die heiligste Ehefrau von allen Psalmen las. Ich lauschte den Raketenabfängen. Einige besonders lauter Schläge, die in dieser letzten Raketensalve des Schabbats zu hören war, stellten sich nach Schabbatende leider als Raketeneinschläge in Tel Aviv, Ramat Gan und Rishon Lezion heraus. Ungefähr 80 Menschen wurden verletzt. Drei Personen erlagen später ihren Verletzungen.
In der Nacht zum Sonntag startete der Iran wieder zwei Angriffswellen. In der ersten Welle um ca. 23 Uhr wurden vier Frauen in einem arabischen Dorf im Norden Israels getötet. Der zweite Angriff riss uns dieses Mal um halb drei Uhr morgens aus dem Bett. Eine ballistische Rakete traf ein Haus in Bat Yam direkt. Insgesamt acht Menschen kamen ums Leben, darunter zwei Kinder.

In dieser Nacht zum Montag wurden wir um kurz nach 4 Uhr morgens von einer weiteren Raketensalve geweckt. Dieses Mal gab es fünf Todesopfer an zwei Einschlagsstellen. Zuvor hatte das islamische Regime am Sonntag Angriffe um 16 Uhr und dann noch einmal um 21 Uhr abends durchgeführt, bei denen niemand verletzt wurde.
Keine Schule

Am Freitag war bereits klar, dass Schulen für eine Weile geschlossen bleiben würden. Unsere drei Mädchen freuten sich natürlich, während David gerade seine letzten Abi-Prüfungen („Bagrut“ in Israel) hinter sich gebracht hat und sich ärgerte, dass er sowieso keine Schule mehr hat.
Heute ist Montag und die drei Mädchen sind zu Hause. David hat einen Ferienjob gefunden und repariert während des Tages Klimaanlagen (eine sehr wichtige Aufgabe in Israel während des Sommers).
Auch unser Alltag hat sich verändert. Aufgrund unserer nächtlichen Ausflüge in den Schutzraum schlafen wir morgens länger, aber sind trotzdem sehr müde. Es macht schon einen Unterschied, wenn man mitten in der Nacht durch Sirenen aus dem Schlaf gerissen wird, dazu kommt die Gefahr eines Raketeneinschlags. Alle Geschäfte, bis auf die Supermärkte und Apotheken, sind geschlossen. Wir verlassen das Haus nur kurz für notwendige Besorgungen.
Ich würde gerne mehr und besser schreiben, aber mein Kopf ist zu schwer. Ich brauche erstmal einen großen Kaffee. Vielleicht drei. Davon werde ich in naher Zukunft wahrscheinlich viele brauchen. Wer will, darf gerne auf den gelben Kasten unten klicken und mir einen Kaffee ausgeben.

