In den letzten Tagen gab es in Israel heftige Regenstürme und es scheint, dass das Land jedes Jahr aufs Neue vom Regen überrascht wird. Überschwemmungen, stürzende Bäume, Stromausfälle und viele weitere Störungen des Alltags treten in Israel auf, wenn es viel regnet, während solch ein Wetter in Hannover normal war und alles weiterhin gut funktionierte.
Die Flut kommt
Unsere Familie hatte ebenfalls ein Regenerlebnis, denn das Regenwasser floss nur sehr langsam von unserem Balkon ab und es war schon kurz davor in unser Wohnzimmer zu schwappen. Als ich gestern aufwachte, erklärte mir die besorgteste Ehefrau von allen, unser Balkon hätte sich über Nacht in einen Swimmingpool verwandelt und ich müsste das Wasser abschöpfen.
Es regnete heftig und nachdem wir die Kinder in die Schule geschickt hatten, machte ich mich daran, Wasser mit einem Eimer in eine kleine Wanne zu füllen. Die Wanne trug ich zur Toilette, wo ich sie ausschüttete. Ziemlich anstrengend und nicht sehr effizient. Ich ging dann zum Rand unseres Balkons und begann, das Wasser mit dem Eimer nach unten zu schütten, in den Garten der Familie, die dort lebt. Es regnete jedoch so stark, dass ich keine andere Möglichkeit sah, unser Wohnzimmer vor der Überflutung zu retten.

Am Tag zuvor war ein Klempner bei uns, der unser Abflussrohr gereinigt hatte. Er erklärte, höchstwahrscheinlich sei aber das Rohr des Gebäudes, das Regenwasser ins allgemeine Abwasser ablässt, verstopft.
Das half mir gestern morgen jedoch nicht, als ich stundenlag Wasser schöpfte. Ich selbst war ebenfalls total vom Regen durchnässt. Irgendwann hörte ich ein Rufen aus dem Garten unter uns, „Hey, was machst du da!“
Ich schaute herunter und sah die Nachbarin in dem Garten stehen, in den ich das halbe Mittelmeer geschüttet hatte.
„Es tut mir leid!“ rief ich herunter. „Es gibt keine andere Möglichkeit, das Wasser kommt schon fast ins Wohnzimmer!“ Ich wollte ihr noch zurufen, dass ich für Schäden bezahlen würde, aber sie schaute sich in ihrem Garten um und erklärte, „Es ist ok, hier ist sowieso ein riesen Balagan. Viel Spaß noch!“
Spaß hatte ich nicht, aber dafür eine intensive sportliche Betätigung. Ich versuchte, verschiedene Wege, den Eimer mit Wasser zu füllen, hochzuheben und über die Glaswand unseres Balkons zu hiefen. Mit gestreckten Beinen für ein Streching, mit einer Kniebeuge, oder mehr mit den Armen.
Schließlich hatte ich soviel abgeschöpft, dass ich mir eine Pause gönnen konnte. Der Regen ließ nun auch etwas nach und stieg nicht mehr. Am Nachmittag hörte es dann auf zu regnen und der Balkon leerte sich sehr langsam, aber stetig.
Heute regnet es zum Glück nur leicht, denn ich habe einen riesigen Muskelkater an meinen Oberschenkeln und noch so eine Fitness-Session wäre mir sehr schwer gefallen. Unser Gebäude-Manager hat einen Klempner gerufen, der sich hoffentlich noch vor dem nächsten Sturm damit befassen wird.
Raketenangriff?
Während ich hier mit Regen und Muskelkater kämpfe, haben die Menschen im Iran wirkliche lebensgefährliche Probleme, die uns jedoch auch hier betreffen. Ganz Israel schaut gespannt auf die Revolution im Land, das uns so viele Probleme gemacht hat. Meinem messianischen Kalender zufolge, sollte das Regime dort fallen, aber je länger sich die Mullahs an der Macht halten, desto geringer wird die Chance dafür, fürchte ich.
Da das Regime in Teheran unter anderem Zionisten für die Unruhen im Land verantwortlich macht, fürchtet man in Israel, dass es uns angreifen wird, um ein gemeinsames Feindbild zu schaffen und das Volk zu beruhigen. Auch hat der Iran gedroht, Israel anzugreifen, sollten die Amerikaner aktiv in die Revolution eingreifen.

Die Aussicht auf eine weitere Runde von Raketenangriffen, in der wir nachts in den Schutzraum flüchten müssen, stresst die ansonsten entspannteste Ehefrau von allen ungemein. Wie haben bereits Toilettenpapier und einige Liter Wasser für den Fall gekauft, dass es wieder Raketen regnet.
Der wahre Stressfaktor
Was die beste Mutter von allen jedoch am meisten stresst, ist die anstehende Bat Mitzwa unserer Sarah in etwa zwei Wochen.
Alle Mädchen in Sarahs Klasse werden in diesem Schuljahr 12 Jahre alt und es gibt zurzeit fast jede Woche eine Bat Mitzwa Feier einer Freundin. Glücklicherweise hat die Schule eine „Kleine-Party“ Politik, damit es nicht zu exzessiven Feiern kommt und sich ärmere Mädchen benachteiligt fühlen.
Trotzdem schaffen es einige Eltern zu zeigen, dass sie viel Geld oder zumindest viel Mühe für ihre Töchter aufwenden und das stresst die produktivste Ehefrau von allen sehr. Sie ist zurzeit damit beschäftigt, alles Notwendige zu kaufen, zu planen und vorzubereiten, wobei sie mir nicht erlaubt zu helfen, da ich „das nicht kann“. Die meisten Israelis haben große Familien, wo Tanten, Cousinen und große Schwestern bei der Vorbereitung helfen, während wir arme Einwandererfamilie alles alleine machen muss.

Meine Aufgabe ist es lediglich, eine Slideshow mit alten Fotos von Sarah zusammenzustellen, die dann während der Bat Mitzwa vorgespielt wird. Ich bin nicht einmal zur Party eingeladen, da nur Mädchen und Mütter kommen. Um trotzdem dabei zu sein, werde ich nur Babyfotos von Sarah für die Slideshow aussuchen, in denen ich auch zu sehen bin!
Regen, Raketen und Party-Management – das sind die Probleme, mit denen wir zurzeit zu kämpfen haben. Im Vergleich zu den letzten Jahren, alles nur halb so schlimm. Und es soll in diesem Jahr noch besser werden, aber darüber mehr im nächsten Beitrag.


