Freude, Wut, Ungewissheit – Geiseldrama in Israel

Die Ereignisse in Israel nehmen das jüdische Volk auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle.

Als eher introvertierter Mann spreche ich eigentlich nicht so gerne über meine Gefühle, oft weiß ich nicht so richtig, was ich gerade fühle, aber in den letzten Tagen hat das Drama in Israel sogar mein kaltes Herz berührt. Für alle Nicht-Israelis, die Informationen über Israel aus den Nachrichten erhalten, gebe ich hier kurz einen emotionalen Hintergrund darüber, wie sich viele meiner Mitbürger in letzter Zeit gefühlt haben.

Natürlich kann ich nicht für alle Israelis sprechen, aber ich denke, die meisten wurden von der gleichen Welle der Emotionen erfasst wie ich.

Freund oder Feind?

Das Volk Israel wurde bereits im November von einer Welle der Hoffnung ergriffen, als Donald Trump zum Präsidenten der USA gewählt wurde. Wie ein Vasallenstaat mussten wir uns von Amerika diktieren lassen, wie wir den Krieg führen dürfen. Bei Ungehorsam wurde uns mit der Einstellung von Waffenlieferungen und der diplomatischen Unterstützung gedroht.

Mit Trump als Präsidenten sollte sich all das ändern, denn in seiner ersten Amtszeit hat er sich als wahrer Freund Israels erwiesen.

Als jedoch berichtet wurde, dass sich Trumps Nahostabgesandter mit dem Team von Joe Biden zusammengetan hat, um Israel dazu zu zwingen, unter anderem 2000 Terroristen für 33 Geiseln freizulassen, fühlten wir uns verraten. Wollte uns Trump einen schlechten Deal aufzwingen, um seine Amtszeit mit einem Frieden im Nahen Osten zu beginnen? Ist er vielleicht nicht mehr der Freund, den wir uns erhofft hatten?

Ein schlechter Deal

Es gibt viel an dem Geiselabkommen auszusetzen und die israelischen Medien sind voll von Kommentaren und Analysen über dieses Thema. Die Partei von Itamar Ben-Gvir ist aus Protest gegen den Deal aus der Koalition ausgetreten, was sehr Schade ist, denn Ben-Gvir hat als Sicherheitsminister gute Arbeit getan.

Es schien, als sei man sich in Israel einig, dass es ein Fehler von Netanjahu war, im Jahr 2011 über 1000 Terroristen, inklusive Yahya Sinwar, für Gilat Shalit freizulassen. Doch jetzt sollen 2000 gefährliche Terroristen freigelassen werden! Wie konnte Netanjahu dazu gezwungen werden, dies zu erlauben?

Hinzu kommt, dass das Abkommen der Hamas ermöglichen würde, wieder die Macht im Gazastreifen zu übernehmen, was nicht akzeptabel ist, da sie uns immer wieder angreifen werden.

Auch werden die Hilfslieferungen nach Gaza erhöht, was es der Hamas noch einfacher machen wird, ihre Kontrolle auszubauen und sogar Waffen zu erhalten. Es gab Berichte, in den Hilfslieferungen würden Waffen nach Gaza geschmuggelt.

Das Geiselabkommen sah also überhaupt nicht gut aus und schien uns sogar gegen unseren Willen aufgezwungen worden zu sein. Zum ersten Mal in meinem Leben fühlte ich so etwas wie eine nationale Demütigung. Die USA haben Israel fest im Griff und uns einen Deal aufgezwungen, der gegen unsere Interessen geht. Bald werden tausende Mörder in Judäa, Samaria und Jerusalem wieder frei herumlaufen. Noch schlimmer ist, dass der gesamte Krieg und die gefallenen Soldaten umsonst gewesen wären. Läuft das Abkommen bis in die letzte geplante Phase, werden wir aus Gaza abziehen und die Hamas wird wieder regieren, sich neu aufbauen und von vorne mit dem Töten von Juden beginnen.

Während wir uns in Israel gedemütigt fühlten, feierten die Judenhasser weltweit den Deal als ihren Sieg. Vergessen war der angebliche Völkermord in Gaza, die angebliche Hungersnot und die Zerstörung. Das alles war unwichtig, Hauptsache man hatte den Juden eins ausgewischt. Und das haben sie wirklich getan.

Natürlich freute sich ganz Israel für die bald befreiten Geiseln und ihre Familien, aber aus Erfahrung wussten wir, nichts ist sicher, bis die Geiseln tatsächlich in Israel sind. Auch wusste niemand, ob sie überhaupt lebend übergeben werden würden.

Es ist passiert

Als es am Sonntag endlich so weit war und die drei jungen Frauen wirklich frei waren, war der schlechte Deal vergessen. Zu groß war die Freude über die Rückkehr der Geiseln. Die Bilder, wie sie ihre Familien umarmten, trösteten sogar die größten Kritiker des Deals.

Wir wissen, dass uns der Deal im Krieg zurückgeworfen hat, aber die Freiheit der Geiseln ist es vielleicht wert. Wir kümmern uns um die Terroristen später, zuerst müssen wir zumindest noch die restlichen lebenden Geiseln nach Hause bringen.

Die Demütigung des schlechten Deals, der Frust über den amerikanischen Druck und die Ungewissheit über die Zukunft wichen der Freude für die ehemaligen Geiseln und ihre Familien.

Ein relativ neues Gefühl ist jedoch nach den Bildern über die Befreiung der Geiseln aufgekommen und das ist eine Wut über die Gazabewohner. Als die armen drei Mädchen befreit wurden, stürzte sich ein Mob gut genährter, wütender Barbaren auf die Autos des Roten Kreuzes und schien die Mädchen lynchen zu wollen. Sind das die unschuldigen Zivilisten, die wir mit Lebensmitteln (und Waffen) beliefern, während wir mit ihnen im Krieg sind?

Mit diesen wilden Tieren kann man weder Frieden schließen noch kann man neben ihnen leben. Hätten sie die Möglichkeit, würden jeden Juden mit ihren bloßen Händen zerreißen. Wir spüren alle deutlich, dass eine Koexistenz mit den Palästinensern nicht möglich ist.

Hat dir der Text gefallen?

Diesen Text teilen

Facebook
Twitter
Pinterest

Weitere Artikel

Warum werden wir Juden so sehr gehasst?

“Alle großen antisemitischen Gruppen fühlen sich als Erben des jüdischen Volkes, aber die tatsächliche Realität und der Erfolg der Juden sind eine Herausforderung für ihre Weltanschauung. Diese Dissonanz verursacht Hass.“

Weiterlesen

2 Antworten

  1. Ja, dass 3 Geiseln befreit sind und zurückkehren konnten – das ist ein Lichtblick. Aber sonst, wie sich die Feinde aufführen, die unzähligen Lügen, die Brutalität, mit der die Terroristen handeln – das alles ist einfach nur schrecklich.
    Mein einziger Ausweg: Beten, beten, beten. Der Hüter Israels schläft noch schlummert nicht.

Schreibe einen Kommentar zu Christa Ackermann Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Skip to content