Wer versucht, die jüdische Geschichte zu analysieren, ohne Gott zu berücksichtigen, wird sie nicht vollständig verstehen. Historiker, Soziologen, Psychologen und die vielen anderen Experten, beleuchten jeweils ihren Teil der Ereignisse, aber auch wenn man sie alle zu einem Gesamtbild zusammenfügt, bleiben viele wichtige Fragen unbeantwortet.
So ist es auch im Fall des Judenhasses, der zurzeit große Teile der Welt überschwemmt. Es gibt viele Erklärungen für dieses Phänomen, aber trotz allem bleibt es zum Beispiel unglaublich, dass die Opfer des 7. Oktobers bereits am 8. Oktober in der Wahrnehmung der Welt zu Tätern wurden, die es nicht besser verdient haben.
Da so etwas bei keinem anderen Volk passieren würde, muss man sich fragen, was die Juden so einzigartig macht und die große Einzigartigkeit, auf der alle anderen Einzigartigkeiten basieren, ist der Gott Israels und seine Tora.
Die Frage für uns Juden bei historischen Ereignissen ist also immer, „was will uns Gott damit sagen?“
Der gute alte Antisemitismus
Ich muss nicht beschreiben, wie sich der weltweite Judenhass heute äußert, die Pro-Hamas Demonstrationen in den westlichen Ländern sind schwer zu übersehen. Angriffe auf jüdische Einrichtungen finden fast täglich statt, „nie wieder“ ist schließlich doch wieder passiert.

Es scheint auch, dass der Judenhass im Westen noch weiter zunehmen wird, denn er kommt vor allem von den muslimischen Einwanderern, die weiterhin einwandern und viele Kinder zeugen. Aber auch die progressive Ideologie vieler Europäer und Nordamerikaner richtet sich gegen Israel und die Juden.

Man könnte jetzt denken, dass man den Antisemitismus bekämpfen muss, Bildung, Besuche von Konzentrationslagern, Aufklärung und so weiter. Aber ist das nicht ein Kampf, der bereits verloren ist? Wie viele Menschen kann man mit solchen Maßnahmen erreichen und werden sie die Message überhaupt aufnehmen wollen?
Schon gesehen
Stellen Sie sich vor, in den 1930er Jahren hätte man versucht, den Antisemitismus in Deutschland durch Aufklärung und Bildung zu bekämpfen. Ich bin mir sicher das wurde auch versucht, aber hätte es die Welle des Hasses und Todes aufgehalten?
Es scheint heute lächerlich, wenn man sich eine Konferenz über „die Zukunft des Judentums in Deutschland“ in den 30er Jahren vorstellt. Niemand hätte sich die Zukunft der Juden so vorgestellt, wie sie eingetreten ist. Heute werden solche Konferenzen ernst genommen, aber sie wirken rückblickend genauso unrealistisch wie damals.

Genauso wie damals tritt der Judenhass in Orten auf, die große jüdische Gemeinden haben. Der neue Bürgermeister von New York gibt vielen Juden das Gefühl, er sympathisiere mit islamistischen Positionen – und die etwa eine Million Juden der Stadt spüren bereits den politischen Druck.
Erfüllung der Prophezeiung
Wenn der Kampf gegen Antisemitismus also vergeblich ist, bleibt nur noch die Flucht. Und im Gegensatz zu damals gibt es heute ein Land, das jüdische Flüchtlinge niemals ablehnen wird. Aber ist die Auswanderung nach Israel auch das, was Gott mit der Welle des globalen Antisemitismus erreichen will?
Kapitel 30 im fünften Buch Mose beschreibt genau unsere Situation. Nachdem im vorigen Kapitel die Flüche aufgezählt werden, die Israel im Exil widerfahren werden, kommt die Erlösung:
„Es wird aber geschehen, wenn alle diese Worte über dich kommen werden, der Segen und der Fluch, die ich dir vorgelegt habe, und du es dir zu Herzen nimmst unter all den Heidenvölkern, unter die dich der Herr, dein Gott, verstoßen hat…“
„… so wird der Herr, dein Gott, dein Geschick wenden und sich über dich erbarmen und wird dich wieder sammeln aus allen Völkern, wohin dich der Herr, dein Gott, zerstreut hat.“
„Und wenn du auch bis an das Ende des Himmels verstoßen wärst, so wird dich doch der Herr, dein Gott, von dort sammeln und dich von dort holen. Und der Herr, dein Gott, wird dich in das Land zurückbringen, das deine Väter besessen haben, und du wirst es in Besitz nehmen, und er wird dir Gutes tun…“

Das Problem
Diese Verse beschreiben, dass Gott die Juden wieder in ihr Land bringen wird, nachdem sie im Exil gelitten haben. Aber was soll Gott tun, wenn sie nicht in ihr Land zurückkehren wollen?
Viele Juden haben es sich im Exil sehr bequem gemacht und denken nicht daran auszuwandern. Um seinen Plan zu erfüllen, bleibt Gott wohl nichts anderes übrig, als den Druck auf diese Juden zu erhöhen. Wie der Prophet Jeremia beschreibt:
„Ich will sie aus allen Ländern, wohin ich sie verstoßen habe, zurückbringen in ihr Land …
Siehe, ich sende viele Fischer, spricht der HERR, die sollen sie [die Juden in der Diaspora] fischen; danach aber viele Jäger, die sollen sie jagen von allen Bergen.“
Dieser drastische Vers beschreibt zwei Arten göttlicher Rückrufstrategien: die „Fischer“ – also Einladungen, Rückkehrmöglichkeiten, Alijah-Angebote – und die „Jäger“, die das jüdische Volk durch Bedrohung, Hass und Verfolgung dazu drängt, das Exil zu verlassen. Viele jüdische Denker haben das als Hinweis gedeutet: Wenn Juden sich weigern, freiwillig zurückzukehren, wird Gott sie durch äußeren Druck zum Umdenken zwingen.

Diese Sichtweise teilt auch Rabbi Yissachar Teichtal, Autor von Eim HaBanim Semeicha, der während der Schoah zu der Erkenntnis kam, dass Gott durch den Antisemitismus der Völker nicht schweigt, sondern spricht – ein Ruf zur Rückkehr nach Zion.
So wie Jeremia von den „Fischern“ und „Jägern“ spricht, die Israel aus allen Winkeln der Welt heimholen sollen, so sieht auch Teichtal in den Jägern – sprich: den Verfolgern – eine tragische, aber klare Botschaft: Die Leiden der Juden im Exil sind kein Beweis für Gottes Verlassenheit, sondern Ausdruck seines schmerzvollen, aber aktiven Rufs: Zion wartet. Der Weg führt nach Hause. Damals wie heute.
Fazit
Man kann sich die Frage stellen, wie die jüdische Geschichte verlaufen wäre, wenn die Millionen Juden Europas rechtzeitig nach Israel hätten kommen können. Sie hätten nicht nur ihr Leben gerettet, sondern auch beim Aufbau des Landes eine entscheidende Rolle gespielt.
Vielleicht sollten wir uns heute eine ähnliche Frage stellen und den Antisemitismus an seiner spirituellen Wurzel bekämpfen. Denn wenn die Juden in der Diaspora freiwillig nach Israel zurückkehren, ist der Antisemitismus nicht mehr notwendig.
Und dann wird auch der zweite Teil der oben genannten Prophezeiung eintreten: „Und der Herr, dein Gott, wird dich in das Land zurückbringen, das deine Väter besessen haben, und du wirst es in Besitz nehmen, und er wird dir Gutes tun…“


