Die Kinder wollen mehr Krieg

Iranische Raketen, Sirenen um 6 Uhr morgens und drei Töchter, die enttäuscht sind, weil der Krieg schon vorbei ist – ein persönlicher Bericht aus Bet Shemesh über eine Nacht im Bunker und die Frage, wann dieser Krieg wirklich endet.

Als am Sonntagabend die Warnung vor iranischen Raketenangriffen in den israelischen Medien veröffentlicht wurde, schliefen unsere drei Töchter bereits. Ich legte mich in unserem Schutzraum schlafen, während die informierteste Ehefrau von allen die Nachrichten noch panisch mit ihren Freundinnen besprechen musste.

Als die Sirene uns um 6 Uhr morgens vor einer ankommenden Rakete warnte, sprangen die drei Mädchen auf mein Bett, bevor ich meine Augen öffnen konnte, und die ausgeschlafenste Ehefrau von allen schleppte den Hamsterkäfig in den Schutzraum.

Ich zog die Metallplatte vor das Fenster und versuchte wieder zu schlafen, was natürlich völlig nutzlos war, denn die Kinder waren sehr aufgeregt. Weniger über den Raketenangriff, als über die Tatsache, dass sie keine Schule haben würden.

Nach zehn Minuten scheuchte ich alle aus dem Zimmer und ich konnte noch etwa eine Stunde herumliegen, bevor der nächste Alarm alle wieder in mein Bett hüpfen ließ. Nach weiteren zehn Minuten, in denen wir einige laute Schläge in unserer Nähe hören konnten, begannen wir den Tag. Ich war sehr müde, die Kinder hingegen voller Energie und Euphorie, da sie zu Hause bleiben durften.

Bei uns in Bet Shemesh verlief der restliche Tag sehr ruhig. Es gab keine Sirenen mehr. Die einzige schlechte Nachricht war, dass der Krieg schon vorbei war.

Die große Enttäuschung

Als die Kinder hörten, dass sie heute wieder zur Schule müssen, begannen sie zu protestieren, dass es zu gefährlich sei und dass man nie wissen kann, ob der Iran uns wieder beschießen wird. Plötzlich waren sie Nahostexperten, die eine weitere Eskalation erwarteten.

„Wann hat man schon von einem Krieg gehört, der nur einen Tag dauert?“ fragte Racheli. „Morgen werden wir wieder beschossen und dann sind wir in der Schule und werden weinen und das ist eure Schuld!“

„Genau!“ pflichtete ihr Sarah bei. „Woher weiß man, dass der Krieg morgen vorbei sein wird? Wir hatten heute zwei Sirenen!“

„Das ist nicht fair, ich will nicht zur Schule gehen!“ sagte Naomi nur und brachte damit die allgemeine Stimmung auf den Punkt.

Wir Eltern sind jedoch auch enttäuscht über das schnelle Ende dieser Kriegsrunde. Wir wollen endlich einmal einen Feind besiegen! Die Hamas, die Hisbollah und der Iran sind bereits stark angeschlagen und könnten vielleicht endgültig besiegt werden, aber Herr Trump erlaubt es uns nicht.

Es muss etwas passieren

Wir Israelis hatten große Hoffnungen in den amerikanischen Präsidenten und auch wenn er viele gute Sachen für uns getan hat, scheint er zurzeit vom richtigen Weg abgekommen zu sein. Es ist mir unverständlich, wie er Verhandlungen mit den Iranern führen kann, wenn er weiß, dass sie sich nicht an Abkommen halten werden. Vielleicht denkt Trump, dass die Zeit auf seiner Seite ist und dass das Regime im Laufe der Zeit durch seinen wirtschaftlichen und den innenpolitischen Druck zusammenbrechen wird.

Hier in Israel haben wir es jedoch eilig, denn fast jeden Tag sterben unsere Soldaten im Libanon. Wir wollen diesen fast dreijährigen Krieg endlich beenden und der Fall des Iran wäre ein großer Schritt in diese Richtung.

Auch stehen bei uns Wahlen im Oktober an. Netanjahu sollte seinen politischen Gegnern keine Munition gegen ihn geben, indem er schwach aussieht. Auch wenn wir in letzter Zeit viel erreicht haben und unsere Feinde deutlich schwächer sind als vor dem 7. Oktober 2023, hat Bibi keinen einzigen wirklichen Sieg errungen.

Die Opposition wirft ihm bereits Versagen vor und dies wird noch zunehmen, je näher die Wahlen rücken. Es könnte also sein, dass Bibi aufgrund der Wahlen endlich den Willen des israelischen Volkes ausführt, anstatt den des amerikanischen Präsidenten.

Es wird wahrscheinlich sehr heiß zugehen in diesem Sommer. Das wäre zwar nicht fair für unsere Kinder, die während der Sommerferien im Bunker sitzen müssen, wenn sie sowieso schulfrei haben, aber wenn am Ende dieses Krieges tatsächlich Ruhe einkehrt, werden sie uns eines Tages verzeihen.

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Michael Selutin
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