Update aus Bet Shemesh – eine halbe Erlösung vom Krieg und Kindergarten

“Wann beginnt der nächste Krieg, bei dem wir zu Hause bleiben können?“

Die letzten Wochen in Israel waren sehr intensiv.

Wir pendelten zwischen Schutzraum, Kinderproblemen und Pessach-Putz und konnten uns wegen der nächtlichen Sirenen kaum ausruhen. Ich bin nervlich total am Ende, meine Finger zittern während ich tippe.

Gestern endete Pessach und zumindest vorerst auch der Krieg mit dem Iran. Wir hatten eine ruhige Nacht, so dass ich etwas früher aufstehen konnte, um in Ruhe am Computer zu sitzen.

Kinder, Kinder, Kinder

Da wir nicht mehr mit Raketen beschossen werden, kann die Schule endlich wieder beginnen und tatsächlich haben unsere drei Mädchen morgen (Freitag) einige Stunden Schule! Es kommt mir vor, als hätten sie mehrere Monate zu Hause verbracht, aber es war nur einer. Dieser Monat war jedoch sehr angespannt, da sich die Kinder nicht weit vom Haus entfernen durften, um rechtzeitig nach Hause zu laufen, wenn die Sirene losheult.

Für sie war es jedoch auch sehr schwer. Die Kinder waren zu Hause eingesperrt und sind vor Langeweile total durchgedreht.

„Warum können wir nicht zum Park gehen!?“ schrie Sarah einmal voller Verzweiflung.

„Weil wir im Krieg sind,“ antwortete die geduldigste Ehefrau von allen.

„Das ist mir egal!“ schrie Sarah zurück.

„Wenn du draußen bist, kannst du von einer Rakete getroffen werden“.

„Das ist mir egal! Ich will raus, mir ist langweilig!“

„Spiel doch vor der Haustür, nimm deine Rollschuhe und fahr auf dem Parkplatz herum“.

„Schon wieder! Ahhhhhh ich kann nicht mehr!!!“

Sie wollen aber trotzdem morgen nicht zur Schule gehen. Als sie heute morgen gehört haben, dass der Krieg vorbei ist und sie wieder in die Schule gehen können, schrien sie wieder los, dieses Mal jedoch, weil sie zu Hause bleiben wollen.

„Wie lange müssen wir denn in die Schule gehen?“ fragte Racheli, nachdem sie zu Ende geschrien hatte.

„Ihr habt Freitags nur einen kurzen Schultag, also wie immer bis 12 Uhr“, antwortete ich.

„Nein, ich meine, wann beginnt der nächste Krieg, bei dem wir zu Hause bleiben können?“

„Das weiß niemand, aber es könnte bald wieder losgehen,“ erklärte ich.

„Uff, hoffentlich!“

Die unvollendeten Kriege

Nicht nur Racheli ist über das frühe Ende des Krieges enttäuscht, es scheint ganz Israel hält nicht viel von Trumps Versprechen eines neuen „goldenen Nahen Osten“.

Wir haben jetzt drei unvollendete Kriegsschauplätze, in denen wir unsere Feinde stark geschwächt, aber nicht ausgeschaltet haben: Gaza, Libanon und Iran.

Es scheint, wir hätten diese drei Feinde endgültig besiegen können, aber wurden von Trump zurückgehalten. Im Libanon dürfen wir zwar noch kämpfen, aber der Iran versucht die Hisbollah in den Waffenstillstand einzubeziehen.

Wir verstehen, dass unsere Feinde ihr Ziel nicht aufgeben und wieder angreifen werden, sobald sie die Möglichkeit haben. Wir haben gelernt, dass man mit ihnen keine Abkommen schließen kann und sie endgültig besiegt werden müssen, damit wir in Frieden leben können.

Jedes Mal, wenn uns eine Waffenruhe mit unseren Feinden aufgezwungen wird, haben wir das Gefühl, unsere Soldaten sind umsonst gefallen, da die Ursache des Problems nicht beseitigt wurde.

Hinzu kommt, dass wir gerade unsere Befreiung aus dem ägyptischen Völkermord gefeiert haben und uns sicher waren, dass nun auch der Iran am Pessach gestürzt wird.

Andererseits

Auch wenn das Regime im Iran noch an der Macht ist, hat dieser aktuelle Waffenstillstand auch gute Seiten. Gestern erzählte mir jemand in der Synagoge, dass die Soldaten im Libanon kaum Luftunterstützung im Kampf gegen die Hisbollah haben, weil alle unsere Flugzeuge pausenlos im Iran im Einsatz sind. Mit der Waffenruhe im Iran, kann also der Kampf gegen die Hisbollah mit zusätzlicher Kraft geführt werden.

Auch sollte man nicht vergessen, dass Netanjahu seit vielen Jahren vor dem Iran warnt und er die Chance nutzen will, das Regime jetzt auszuschalten. Das ist besonders wichtig, da in einigen Monaten Wahlen in Israel anstehen und die öffentliche Meinung gerade nicht positiv über Bibi ist.

Insgesamt denke ich, dass Kampfpausen immer ein Vorteil für Israel sind. Wir haben Zeit neue Informationen zu sammeln, die bisherigen Anstrengungen zu analysieren und neue Pläne zu machen. Israels Geheimdienste haben die Hamas, die Hisbollah und den Iran sicherlich tief infiltriert und sie sammeln jetzt Daten für die nächste Phase des Krieges.

Das Problem ist nur die Frage, ob die Kämpfe wieder aufgenommen werden, oder ob sich unsere Feinde mit Hilfe der „internationalen Gemeinschaft“ vor der Vernichtung herausmogeln können.

Unsere geschundenen Soldaten, die die Angriffe gegen den Iran geleitet haben, freuen sich jedoch trotz der möglicherweise verpassten Gelegenheit über eine Pause.

Ein weiterer Trost ist das schöne Frühlingswetter, das wir heute in Israel haben. Nach einigen Tagen Regen und starkem Wind, scheint heute die Sonne bei 21 Grad, die Kinder besuchen Freunde, es fühlt sich insgesamt gut an, zu wissen, dass in nächster Zeit kein Raketenalarm losheulen wird.

Wenn nun auch die Schule wieder vollständig aufgenommen wird, kann man fast vergessen, dass wir von Feinden umgeben sind, die sich gerade auf den nächsten Angriff vorbereiten.

Hat dir der Text gefallen?

Michael Selutin
Wenn du dich mit mir über dieses oder ein anderes Thema unterhalten möchtest,
miete mich einfach hier für eine Stunde.
Jetzt buchen

Diesen Text teilen

Facebook
Twitter
Pinterest

Weitere Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Zum Inhalt springen