Die Geschichten über die Geiseln in den Tunneln der Hamas haben mich überrascht, weil sie beschreiben wie ihre Gefangenschaft zu einem stärkeren Glauben geführt hat. In der jüdischen Geschichte war oft das Gegenteil der Fall, vor allem während des Holocaust hörte man oft die Frage, „Wo ist Gott?“, oder „Wie konnte Er das zulassen?“
Bei den Berichten der Geiseln über ihren Glauben hatte ich bisher angenommen, dass es vor allem die Einsamkeit war, die sie in ihren Glauben flüchten ließ. Ich hatte mich gewundert, dass es keine solchen Geschichten aus dem Holocaust gibt und gedacht, dass der Unterschied darin lag, dass die Juden in den Ghettos und KZs fast immer mit vielen anderen Menschen zusammen waren, oder schwer arbeiten mussten, während bei den Geiseln in den Tunneln das Gegenteil der Fall war.
Die Gruppe von Geiseln, von der wir hier berichten, widerlegt diesen Gedanken und die Frage bleibt bestehen: Warum fielen Juden während des Holocaust oft von ihrem Glauben ab, während sie sich im aktuellen Konflikt eher in die entgegengesetzte Richtung bewegen?
This is so powerful.
— Vivid.🇮🇱 (@VividProwess) November 1, 2025
Bar Kupershtein was kidnapped on October 7th after saving many lives and protecting others at the Nova music festival, and was held hostage for two years by Hamas.
He is now back at the same place, honoring the victims while praying.
This is a must-watch. pic.twitter.com/eG2RBIOAcH
Die Beantwortung dieser Frage benötigt einen eigenen Blog-Post und etwas mehr Recherche.
Welche Gründe auch immer sie hatten, die Geiseln wurden durch ihren Glauben gestärkt und mit ihren Berichten darüber stärken sie jetzt ganz Israel und die Leser dieses Blogs. Hier der Bericht von Arutz7:
Der Moderator von Channel 12 News, Yaron Avraham, sprach mit sechs ehemaligen Geiseln, die aus erster Hand von ihrer langen Gefangenschaft in den Tunneln der Hamas und ihrem Kampf ums geistige und körperliche Überleben berichteten.
Die ehemaligen Geiseln Ohad Ben-Ami, Bar Kupershtein, Elkanah Bohbot, Segev Kalfon, Maxim Herkin und Yosef Haim Ohana sprachen offen über die Freundschaften, die sie geschlossen hatten, und die Quellen der Kraft, die sie in den Tunneln am Leben erhielten.
Ohana erinnerte sich an den ersten Schabbat, den die Gruppe gemeinsam verbrachte, kurz nachdem er, Herkin und Kalfon in denselben Tunnel wie Kupershtein, Bohbot und Ben-Ami gebracht worden waren. Zwei Tage nach ihrer Wiedervereinigung feierten die Männer den Freitagabend mit einer improvisierten Zeremonie zur Begrüßung des Schabbats, angeführt von denen, die bereits dort festgehalten worden waren.
„Sie standen auf und sangen und sagten zu uns: ‚Kommt, wir machen den Kiddusch für den Schabbatabend‘“, erzählte Ohana. „Wir sagten: ‚Okay, wir legten Papier auf unsere Köpfe statt Kippot.‘“
Als die Männer begannen, bekannte Melodien aus ihrer Heimat zu singen, gewann der Moment eine unerwartete Intensität. „Plötzlich schrien sie die Lieder“, sagte Ohana. „Der Ort bebte, und wir waren froh, dass wir alle zusammen dort waren.“
Kupershtein beschrieb diesen Moment als zutiefst bewegend und bezeichnete ihn als eine der eindrücklichsten Erfahrungen ihrer Gefangenschaft.
Später im Interview reflektierte Ben-Ami darüber, wie ihr gemeinsamer Glaube ihnen half, ihr Überleben zu verstehen. Er sagte, die Gruppe habe oft über göttliche Vorsehung gesprochen, da jeder von ihnen während des Massakers vom 7. Oktober lebensbedrohlichen Situationen ausgesetzt gewesen sei. „Wir sagten uns, dass es vielleicht einen Gott gab, der wollte, dass wir leben, dass wir dies überleben und durchstehen würden“, sagte er.
Auf die Frage, ob der Glaube im Untergrund eine wichtige Rolle gespielt habe, antwortete Kalfon eindeutig mit Ja. Er sagte, er sei sogar so weit gegangen, dass er aus Ben-Amis Hemd provisorische Kippot genäht habe.
Ben-Ami, der sich selbst als säkularen Kibbuz-Bewohner bezeichnete, sagte, diese Erfahrung habe ihn verändert. „Ich hatte das Gefühl, dass ich mich für das Essen, für das Wasser, für alles bedanken musste“, sagte er. „Ich wusste nicht, wie, und sie haben es mir beigebracht.“
Kalfon fügte hinzu, dass alles, was sie mit ihren jüdischen Wurzeln verband, ihnen Kraft gab, von Schabbat-Ritualen und Feiertagen bis hin zu traditionellen Gebeten und Liedern. „Es verbindet dich und gibt dir Kraft“, sagte er. „Das lässt sich nicht mit Worten erklären.“
Avraham fragte auch, ob das Massaker ihren Glauben erschüttert habe. Herkin antwortete, dass er oft gefragt werde, wo Gott an diesem Tag gewesen sei. „Die Antwort ist einfach“, sagte er. „Was am 7. Oktober geschah, war das Ergebnis menschlicher Entscheidungen und Handlungen. Diese Verantwortung kann man nicht dem Schöpfer zuschreiben.“

