In meinem YouTube Feed ist vor kurzem ein altes Musikvideo der israelischen Band A-WA aufgetaucht, eine jüdische Mädchenband aus dem Jemen, und es läuft seitdem bei mir auf Endlosschleife.
Die Band besteht aus den drei Schwestern Tair, Liron and Tagel Haim. Laut Wikipedia wurde ihre Familie 1950 aus dem Jemen in der berühmten Operation „Magic Carpet“ nach Israel gebracht. Die drei Schwestern, aufgewachsen im Arava-Tal in Südisrael, gehören zu einer jüngeren Generation der Mizrachim, die sich auf ihr „orientalisches Erbe“ zurückbesinnen. Sie folgen damit Ofra Haza, die bereits in den 1980er Jahren mit jemenitischen Liedern weltweite Bekanntheit erlangte.

Das Trio wurde von Tomer Yosef, dem Leadsänger von Balkan Beat Box, entdeckt, dem sie eine Demoaufnahme von „Habib Galbi“ schickten, einer traditionellen jemenitischen Melodie, die im jemenitischen Dialekt des jüdisch-arabischen gesungen wird. Er zeigte die Demoaufnahme einigen älteren jemenitischen Frauen, die die Schwestern für echte Sängerinnen aus dem Jemen hielten. Das erste veröffentlichte Musikvideo verbreitete sich viral in der muslimischen Welt, insbesondere im Jemen. Die drei veröffentlichten die Single offiziell im April 2015 und sie wurde der erste arabische Song, der Platz 1 der israelischen Popcharts erreichte.
Arabische Musik?
Das Genre von A-WA ist eigentlich überhaupt nicht mein Musikstil und dann singen sie auch noch arabisch. In Israel hört man viel orientalisches Gedudel im Radio, in Geschäften und manchmal bei Freunden, von denen man besseres erwartet hätte. Die Musik von A-WA trifft in mir jedoch eine Note, die ich selbst nicht so ganz verstehe.
Teilweise liegt das wohl daran, dass die Band der drei Schwestern keine traditionellen jemenitischen, sondern moderne Instrumente mit funkigen Beats spielt.
Es gibt manchmal Musik, die über ihr Genre hinauswächst und das Herz berührt, egal wer man ist und was man normalerweise mag, wie im folgenden Video von A-WA, das mich so begeistert hat:
Was ein Land verliert, wenn seine Juden gehen
Während ich das Video zum x-ten Mal höre, muss ich daran denken, was der Jemen mit diesen drei Mädchen verloren hat. Wären diese drei jüdischen Mädchen nicht perfekte Botschafter eines Jemen, wenn das Land einen anderen Weg eingeschlagen hätte?
So wie es jedoch zurzeit im Jemen aussieht, wird das Land noch lange im Mittelalter bleiben, zerrüttet vom Bürgerkrieg und durch den Hass auf Juden von jeglichem Fortschritt abgeschnitten. Denn wenn man „den Juden“ die Schuld an seinen Problemen gibt, wird man sie nicht zu lösen versuchen. Länder, die ihre Juden vertrieben, haben historisch oft darunter gelitten, während Länder, die sie aufnahmen, von ihnen gestärkt wurden.
Was ich in Netanja sehe
Ich sehe dieses Muster jedes Jahr, wenn ich in Netanja am Strand sitze. Dort leben viele französische Einwanderer — und man erkennt sofort, welches kulturelle Gepäck sie mitbringen: Bildung, Stil, ein gewisses savoir vivre, das sich nicht künstlich erzeugen lässt. Die Cafés sind voll mit Menschen, die aussehen, als wären sie versehentlich aus Paris exportiert worden und jetzt versuchen, sich mit israelischem Kaffee anzufreunden.

Israel profitiert davon. Spürbar.
Und dann denke ich an Europa, das dieses Humankapital vertrieben hat und stattdessen Einwanderungswellen erhält, die kulturell oft wenig mit den Werten zu tun haben, die Europa eigentlich bewahren wollte.
Nach 2000 Jahren Exil ist es endlich der jüdische Staat, der von jüdischen Flüchtlingen profitiert, während Europa nichts aus seiner Geschichte gelernt hat. Der Jemen verlor seine Juden – und damit Stimmen wie A-WA, die heute in Israel singen. Europa verliert seine Juden jetzt, Israel bekommt sie – und wundert sich manchmal, warum das sonst keiner als Vorteil erkennt.